Andenes auf Andøya: Puffins, Camping & warum die Vesterålen-Insel es schwer hatte


Wir hatten nur einen kurzen Aufenthalt in Andenes auf Andøya eingeplant und wollten in dieser Zeit möglichst viel mitnehmen. Also buchten wir eine RIB-Tour, fuhren die Westküste entlang, schlugen unser Zelt hinter den Dünen auf und testeten einen kulinarischen Tipp, den wir so in keinem klassischen Reiseführer gefunden hätten.

Wo Andøya liegt und warum wir überhaupt hingefahren sind

Andøya ist die nördlichste Insel der Vesterålen und liegt zwischen Senja und den Lofoten. Auch wenn die beiden Inselgruppen aneinandergrenzen, werden sie gerne einmal in einen Topf geworfen. Allerdings unterscheiden sie sich landschaftlich trotzdem voneinander: Auf uns wirkten die Vesterålen flacher, weitläufiger und weniger schroff als die Lofoten. Ach ja, und deutlich weniger überlaufen war es dort auch.

Blick auf einen grün bewachsenen Berg auf Andøya, der sich im Wasser spiegelt

Auf unserem Roadtrip durch Norwegen lag Andøya ziemlich praktisch: Wir kamen von Senja und wollten über die Vesterålen weiter Richtung Lofoten. Die Fähre von Gryllefjord brachte uns direkt nach Andenes, dem größten Ort der Insel an ihrer Nordspitze. Der Hauptgrund für unseren Zwischenstopp: die Papageitaucher vor Bleiksøya. Wir hatten die kleinen Vögel zwar bereits auf Lovund gesehen, wollten sie vor ihrer Abreise aufs offene Meer aber unbedingt noch einmal erwischen. Da es bei unserem Besuch schon Mitte August war und die Kolonie jederzeit weiterziehen konnte, buchten wir direkt eine Vogelsafari ab Andenes.

Papageientaucher auf Andøya: Vogelsafari vor Bleiksøya

Unsere rund 1,5-stündige Arctic Bird Tour mit Whale2Sea führte im RIB-Boot von Andenes zur Vogelinsel Bleiksøya. Etwa 45 Minuten vor dem Start meldeten wir uns im Center an. Von dort ging es mit unserer elfköpfigen Gruppe in ein weiteres Gebäude, wo wir Thermoanzüge, Schwimmwesten und Regenponchos bekamen. Nach einer rund zehnminütigen Einweisung ging es los.

🧥 Was solltest du auf der Vogelsafari anziehen? Unter dem Thermoanzug hab ich vier Schichten getragen: Base Layer, dünner Pullover, Fleecepullover und Fleecejacke. Ich bin allerdings auch eine Frostbeule. Den Fahrtwind auf dem offenen Meer solltest du trotzdem nicht unterschätzen. Also ich schwitze lieber, als mir einen abzufrieren. Heads Up: Der Thermoanzug ist nicht wasserdicht. Vor Ort bekommst du zwar einen Regenponcho, bei starkem Wellengang ist dieser aber auch eher nur Deko. Stell dich also auf eine feucht-fröhliche Angelegenheit ein, besonders auf den äußeren Sitzplätzen. Rate mal, wer in der Mitte saß 😙

Unser Ziel: die steilen Felsen von Bleiksøya. Dort brütet jedes Jahr eine große Puffin-Kolonie. Rund um die Insel leben außerdem Seeadler und zahlreiche weitere Seevögel. Wir waren Mitte August und damit spät in der Saison unterwegs. Umso mehr Glück hatten wir, dass die Papageientaucher noch da waren. Zu dieser Zeit kann die gesamte Kolonie jederzeit aufs offene Meer weiterziehen. Und wenn die Vögel weg sind, dann von jetzt auf gleich.

Vor Bleiksøya fuhr das RIB relativ nah an die Insel heran und umrundete sie langsam. Zwischendurch wurde der Motor ausgeschaltet, sodass wir die Vögel in Ruhe beobachten konnten. Die Puffins waren auch ohne Fernglas* zu erkennen. Im Flug sind sie allerdings verdammt schnell. Wenn du fotografieren willst, solltest du ein professionelles Kamera-Setup mitführen. Ohne wird es verdammt schwierig oder eher unmöglich, ein gescheites Foto zu schießen. Deutlich entspannter beobachten konnten wir dafür mehrere Seeadler, die langsam ihre Kreise zogen.

Seeadler am Himmel, im Hintergrund fliegen Möwen

Lohnt es sich? Tour ok, Anbieter naja

Für uns war die Tour insgesamt ok, aber kein großes Abenteuer, an das wir noch jahrelang denken werden. Wenn du bisher noch keine Papageitaucher gesehen hast, ist eine RIB-Bootstour schon spannend. Wir hatten die kleinen Vögel bereits ausgiebig in Lovund beobachtet, aber konnten es uns nicht verkneifen noch einmal auf Suche zu gehen. Bei einem weiteren Besuch in Andenes würden wir wahrscheinlich eher eine Walsafari buchen. Die ist allerdings stark vom Wetter und Wellengang abhängig. Während unseres Aufenthalts wurden diese Touren beispielsweise abgesagt, weil die Boote nicht auslaufen konnten.

Was uns an Whale2Sea gestört hat: Es waren gleichzeitig mehrere Boote unterwegs, wovon eins Fisch an Bord hatte, der anschließend ins Wasser geworfen wurde. Wofür der Fisch gedacht war, müssen wir nicht ausführen, oder? Online hatten wir dazu vor der Buchung keinen Hinweis gefunden und mitgeteilt wurde es uns erst am Ende der Einweisung.

Wir lehnen das gezielte Anlocken von Wildtieren für bessere Sichtungen normalerweise ab. Ja, wir hätten uns vorher informieren oder nachfragen können und genau darauf werden wir zukünftig auch genauer achten. Wie andere Anbieter damit umgehen, wissen wir nicht. Wenn dir dieser Punkt ebenfalls wichtig ist, frag deshalb lieber einmal mehr nach, bevor du eine Tour buchst.

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Wandern auf Andøya: Måtind

Die Wanderung auf den Måtind gehört zu den bekanntesten Aktivitäten auf Andøya. Laut der von uns gespeicherten Komoot-Route umfasst die Tour rund 7,5 Kilometer, etwa 450 Höhenmeter und eine angegebene Gehzeit von ungefähr vier Stunden. Belohnt wirst du oben mit Blick auf die Küste und die Bucht Høyvika.

Wir haben den Måtind am Ende nicht mehr geschafft und können ihn daher nicht aus eigener Erfahrung bewerten. Auf unserer Rundreise mussten wir irgendwann bewusst entscheiden, welche Wanderung wir unbedingt noch machen wollten. Wetter, Fahrzeiten und Erholungstage vom ganzen Wandern brachten dabei auch unsere akkurat geplante Route durcheinander. Bei uns fiel die Entscheidung wetterbedingt gegen den Måtind und für den Delpen. Dafür reisten wir sogar früher von Andøya ab, weil der Wetterbericht dort bessere Bedingungen versprach. Wie so oft in Nordnorwegen war allerdings auch diese Vorhersage nur begrenzt verlässlich. Also bleibt der Måtind eines unserer Wunschziele in Norwegen.

Strand am Andenes Camping mit Blick auf den Royken bei Sonnenuntergang

Roadtrip entlang Andøyas Westküste: Unsere Stopps

Die Landschaftsroute auf Andøya verläuft entlang der Westküste und verbindet mehrere Strände, kleine Dörfer und Aussichtspunkte. Zu den bekanntesten Stopps gehören Bleik, Kleivodden und Bukkekjerka. Klingt nach ganz schön vielen Highlights. Wir würden sagen: nicht alles ist ein Wow-Moment.

Bleik ist für seinen langen, hellen Sandstrand bekannt und liegt gegenüber der Vogelinsel Bleiksøya. Für einen ausgedehnten Spaziergang ist es hier wunderschön. Ähnliche, etwas kleinere Strände findest du allerdings an vielen Orten in Nordnorwegen und musst nicht unbedingt nur dafür nach Bleik kommen.

Der nächste Stopp ist Kleivodden. Ein Rastplass, der gut für einen Fotospot herhält – aber that’s it: anhalten, die Küste fotografieren und anschließend weiterfahren. Nicht mehr, nicht weniger. Genauso ging es uns beim Bukkekjerka Viewpoint: Vorher wurde uns dieser Spot ständig im Social-Media-Feed angezeigt. Besonders bekannt ist der Aussichtspunkt für seine Toiletten mit Meerblick, die bei unserem Besuch allerdings gesperrt waren. Von außen war das Gebäude architektonisch mal etwas anderes, aber auch kein Burner.

Alles in allem ist die Landschaftsroute eine schöne Küstenstraße. Nach Senja konnte uns Andøya landschaftlich allerdings nicht mehr richtig überzeugen, und auch die Lofoten haben uns deutlich besser gefallen.

Übernachten auf Andøya: Camping & weitere Unterkünfte

Für unsere Vogelsafari ab Andenes lag der Andenes Camping im Norden von Andøya ideal. Vom Fähranleger bis zum Platz und von dort bis zum Whale2Sea Center waren es jeweils etwa zehn Minuten mit dem Auto. Unsere erste Wahl war der Campingplatz trotzdem nicht.

Noch auf der Fähre von Senja war uns auf mehreren Plakaten das Midnattsol Camping Bleik aufgefallen. Der Platz liegt direkt am Strand von Bleik und klang zunächst nach einer ziemlich guten Option. Bei der Buchung wurde es allerdings immer teurer: Für unser Zelt hätten wir 400 NOK (ca. 36 €) zahlen müssen und Duschen kosteten zusätzlich. Für eine einzige Nacht fanden wir es schon ziemlich happig, zumal wir am nächsten Morgen ohnehin zurück nach Andenes mussten. Also suchten wir weiter.

Schließlich landeten wir auf dem Andenes Camping. Dort zahlten wir zu zweit 250 NOK (ca. 23 €) für den Zeltplatz inklusive Duschen. Damit war der Platz nicht nur deutlich günstiger, sondern für unsere Vogelsafari auch besser gelegen. Insgesamt war der Campingplatz ok. Einige Stellflächen für Zelte liegen geschützt hinter Dünen, andere befinden sich allerdings in Kuhlen. Bei Regen eher suboptimal. Die Gemeinschaftsräume waren sauber und modern, aber spärlich eingerichtet. In der Küche standen lediglich ein Herd und ein Wasserkocher. Töpfe, Teller, Besteck und sonstige Ausstattung musst du selbst mitbringen.

Aber ganz egal, welchen der beiden Campingplätze du an der Westküste von Andøya aussuchst, bei wolkenlosem Himmel wirst du einen der schönsten Sonnenuntergänge haben. Direkt hinter den Dünen saßen wir am Strand und genossen den Abend in vollen Zügen. Es hätte so romantisch sein können, wenn da nicht die Sandfliegen gewesen wären. Selbst unsere Netzhüte halfen nicht wirklich.

Wenn du nicht campen möchtest, findest du in Andenes* verschiedene Unterkünfte. Bei unserer Recherche sind uns vor allem Apartments und weniger klassische Hotels begegnet. In Bleik* ist die Auswahl noch einmal kleiner. Auf unserer Wunschliste stand Marmelkroken AS*: idyllisch, abgelegen und ziemlich genau das, was wir uns unter einem norwegischen Rückzugsort vorstellen. Für unsere einzige Nacht lag es allerdings zu weit im Süden von Andøya.

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Essen in Andenes: Supermärkte, Restaurants & ein Burger-Tipp

Für Selbstversorger ist Andenes easy: Im Ort gibt es mehrere Supermärkte (Extra, Rema, Bunnpris), außerdem einige Restaurants. Kulinarisches FOMO musst du hier aus unserer Sicht trotzdem nicht bekommen.

Wir hatten vorab kein Restaurant ausgesucht und bekamen von einer Mitarbeiterin bei Whale2Sea einen unerwarteten Tipp: die Burger von réal in der St1-Tankstelle. Not gonna lie, wir waren zu 100% skeptisch. Essen von der Tanke ist schließlich selten gut, oder? Der Burger war aber richtig lecker. Mit ungefähr 20 € kostete er zwar ähnlich viel wie andere Burger in Norwegen, trotzdem würden wir ihn wieder bestellen.

Und während wir dort saßen, kamen immer wieder Leute herein, um vorbestellte Pizza abzuholen oder einfach auch einen Burger zu essen. Es ist kein Foodie-Hotspot, aber ein unkomplizierter Stopp für schnelles Essen.

🍔 Good to know: réal findest du an ausgewählten St1-Tankstellen in ganz Norwegen.
Blick auf den Strand in Andenes mit Dünen und Wiesenflächen bei Sonnenuntergang

Reiseplanung für Andøya: Anreise und Dauer

Andøya war für uns als kurzer Zwischenstopp eingeplant: mit der Fähre von Senja rüber, eine Nacht bleiben und anschließend weiter Richtung Lofoten. Nach unserem Fail bei der Überfahrt von Sommarøy nach Senja wollten wir dieses Mal auf Nummer sicher gehen. Denn die Verbindung zwischen Gryllefjord und Andenes fuhr während unseres Aufenthalts nur dreimal täglich und die Plätze werden nach dem Prinzip First come, first served vergeben. Deshalb sind wir morgens früh zum Hafen gefahren und haben während der Fahrt immer wieder über Svipper geschaut, wie hoch die Auslastung am Pier war.

Heck einer Fähre mit Menschen an der Reling und einer norwegischen Flagge, die im Wind weht

Die Überfahrt nach Andenes selbst hatte es dann in sich. Wir hatten das vorher schon von anderen Reisenden gehört, aber wie stark der Wellengang wirklich war, hab ich am eigenen Leib erfahren. Bei der Schaukelei wurde mir richtig schlecht, obwohl ich normalerweise nicht seekrank werde. Vielleicht war es aber auch keine gute Idee, am Laptop zu arbeiten. Also ging ich an Deck, wo auch weitere Personen zu kämpfen hatten. Die frische Luft tat definitiv gut.

Alternativ kannst du Andøya auch über Straßen und Brücken erreichen. Für uns hätte das bis nach Andenes allerdings einen Umweg von rund 4,5 Stunden bedeutet.

 Unser Fähr-Tipp: Kontrolliere vor der Anreise unbedingt den aktuellen Fahrplan und, falls verfügbar, die Auslastung über Svipper. Sei deutlich früher am Anleger und plane direkt nach der gewünschten Abfahrt keine zeitkritische Weiterfahrt ein. Eine verpasste Fähre kann deine komplette Tagesplanung durcheinanderbringen.

Wie lange solltest du auf Andøya bleiben?

Für einen Zwischenstopp reichen aus unserer Sicht ein bis zwei Tage. Mit einer Übernachtung schaffst du eine Safari ab Andenes, einen Abstecher nach Bleik und einige Stopps entlang der Landschaftsroute. Einen zweiten Tag würden wir einplanen, wenn du den Måtind wandern möchtest oder noch die Ostküste erkunden willst.

Orangefarbener Sonnenuntergang bei Andenes auf Andøya

Fazit zu Andøya: Eine schöne Insel, die uns nicht gecatcht hat

Andøya war für uns überraschend unspektakulär. Schön, aber ohne diesen konstanten „Wow, halt mal an“-Effekt, den wir auf den Etappen davor fast täglich hatten. Vielleicht hatte die Insel schlicht einen undankbaren Platz auf unserer Route durch Norwegen: nach dem Inseltraum Lovund, Senjas Bergkulisse und direkt vor den gehypten Lofoten hat man es auch schwer.

Trotzdem kam nie der Moment, an dem wir gesagt hätten: That’s it. Der Sonnenuntergang am Strand war nice, aber nichts woran wir in 20 Jahren immer noch denken werden. Bereut haben wir den Zwischenstopp trotzdem nicht. Würden wir unsere Route heute noch einmal planen, würden wir allerdings länger auf Senja bleiben und Andøya auslassen.

FAQ: Häufige Fragen zu Andøya und Andenes

Gehört Andøya zu den Lofoten?

Nein. Andøya ist die nördlichste Insel der Vesterålen und gehört zur Provinz Nordland. Die Lofoten liegen südlich davon. Die beiden Inselgruppen grenzen aneinander und werden landschaftlich oft verwechselt, sind aber eigenständige Regionen.

Wo liegt Andenes in Norwegen?

Andenes ist der größte Ort auf Andøya und liegt an der Nordspitze der Insel, ganz im Norden der Vesterålen. Du erreichst den Ort über die Straßen und Brücken der Vesterålen oder im Sommer mit der Fähre von Gryllefjord auf Senja.

Lohnt sich Andøya auf einem Nordnorwegen-Roadtrip?

Andøya lohnt sich, wenn du eine Tierbeobachtung planst, den Måtind wandern möchtest oder die Fähre zwischen Senja und Andenes nutzt. Bei wenig Reisezeit würden wir die Insel zugunsten von Senja oder der Helgelandküste eher skippen.

Wie viele Tage solltest du für Andøya einplanen?

Ein bis zwei Tage reichen für eine Safari, einen Abstecher nach Bleik und einige Stopps entlang der Landschaftsroute. Einen zweiten Tag würden wir einplanen, wenn du den Måtind wandern oder zusätzlich die Ostküste erkunden möchtest.

Wann kann man in Andenes Wale und Puffins sehen?

Andenes gilt als einer der besten Whale-Watching-Spots Europas. Im Sommer werden mehrere Touren angeboten. Puffins sahen wir Mitte August noch rund um Bleiksøya. Zu diesem Zeitpunkt kann die Kolonie allerdings jederzeit gemeinsam aufs offene Meer weiterziehen, weshalb du keine Sichtung fest einplanen solltest.

Werden Wal- und Vogelsafaris bei schlechtem Wetter abgesagt?

Ja, Touren können wegen der Bedingungen auf dem offenen Meer kurzfristig ausfallen. Während unseres Aufenthalts wurden beispielsweise mehrere Walsafaris abgesagt. Buche deine Safari daher möglichst am Anfang deines Aufenthalts und prüfe die Umbuchungsbedingungen direkt beim Anbieter.

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