// Zuletzt aktualisiert am 19. Oktober 2026
Schon nach den ersten Metern auf den Besseggen dachten wir: WTF, wann hört dieser Anstieg endlich auf? Wie lange geht das noch? Der Weg wurde immer steiler und felsiger, bis irgendwann sogar Metallketten zum Festhalten und Hochziehen dazukamen.
Wir wussten vorher praktisch nichts über diese Wanderung. Selbst die berühmten Bilder mit dem grünen Gjende und dem dunkelblauen Bessvatnet kannten wir bis zu unserer Reiseplanung nicht. Sie haben uns allerdings sofort überzeugt, als wir ganz Old School auf Google Maps nach Sehenswürdigkeiten zwischen Oslo und Trondheim gesucht haben. Den Ruf als Hotspot und seine tatsächliche Schwierigkeit haben wir dabei kaum hinterfragt – einer unserer vielen Anfängerfehler beim Wandern in Norwegen.
Das war rückblickend ziemlich naiv. Der Besseggen ist eine lange, anspruchsvolle Bergwanderung, bei der Wetter, Startzeit und Laufrichtung einen großen Unterschied machen. Bei unserem ersten Versuch mussten wir die Wanderung wegen eines Wetterumschwungs abbrechen und erreichten nicht einmal ansatzweise den Viewpoint. Einige Wochen später waren wir wieder dort. Dieses Mal standen wir morgens an der Fähre, um die klassische Route komplett zu laufen. Zwei Wandertage, die kaum unterschiedlicher hätten laufen können.


- Der Besseggen im Jotunheimen: Lage und Landschaft
- Wie schwer ist der Besseggen wirklich?
- Zwei Routen über den Besseggen: Memurubu oder Gjendesheim
- Unsere zwei Wandertage am Besseggen: Zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen
- Was wir am Berg gelernt haben: Wetter checken, Ego zu Hause lassen
- Beste Zeit für den Besseggen: Saison und Andrang
- Anreise nach Gjendesheim: Fähre, Parkplatz, Shuttle und Kosten
- Unsere Packliste für den Besseggen
- Übernachten und Camping rund um den Besseggen
- Fazit zum Besseggen: Es lohnt sich
- FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Besseggen
Der Besseggen im Jotunheimen: Lage und Landschaft
Jotunheimen liegt in Südnorwegen und beherbergt mit dem Galdhøpiggen und dem Glittertind die höchsten Berge des Landes. Der Name bedeutet übersetzt etwa „Heim der Riesen“ und geht auf die nordische Mythologie zurück – bei diesen Dimensionen ziemlich passend. Schon die Anfahrt von Beitostølen über die Valdresflye zeigte uns, wie rau diese Landschaft werden kann. Die Passstraße führt über eine offene, karge Hochebene, auf der wir bereits durch dichten Nebel fuhren. Das war eigentlich ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wie unser erster Wandertag weitergehen würde.
Mitten in dieser Landschaft verläuft der Besseggen zwischen dem Gjende und dem Bessvatnet. Der Gjende liegt rund 400 Meter tiefer und wirkt je nach Licht auffällig grün, während das höher gelegene Bessvatnet deutlich dunkler erscheint. Genau dieser Kontrast sorgt für den bekannten Zwei-Seen-Blick. Der höchste Punkt der klassischen Route ist das 1.743 Meter hohe Veslfjellet.

Wie schwer ist der Besseggen wirklich?
Sehr schwierig. Komoot stuft die Tour als „schwierig“ ein, aus unserer Sicht ist das aber untertrieben. Die klassische Strecke zwischen Memurubu und Gjendesheim ist rund 15 Kilometer lang, führt über das 1.743 Meter hohe Veslfjellet, umfasst ungefähr 1.100 Höhenmeter und dauert etwa sechs bis acht Stunden.
ℹ️ Quick Facts Besseggen Wanderung: Memurubu und Gjendesheim, 15 km, 1.100 Höhenmeter, 6-8 Stunden (unsere Zeit: 6,5 Stunden)
Wenn du wenig Wandererfahrung hast oder deine Kondition eher für gemütliche Spaziergänge reicht, solltest du dir deshalb gut überlegen, ob du die vollständige Tour gehen möchtest. Die Distanz allein klingt zunächst noch überschaubar. Zusammen mit den vielen Höhenmetern, steilen Felsabschnitten und dem wechselhaften Bergwetter wird daraus jedoch eine anspruchsvolle Tagestour.
Wir sind keine Wandermäuse und schon gar keine Bergprofis, grundsätzlich aber ganz gut in Form und fanden die vollständige Wanderung trotzdem sauanstrengend, just to let you know. Für die Strecke brauchten wir am Ende 6,5 Stunden. Die angegebenen sechs bis acht Stunden sind nur eine grobe Orientierung. Wie lange du tatsächlich brauchst, hängt von deiner Kondition, dem Wetter und deinen Pausen ab. Wir stoppen regelmäßig für Fotos und zum Durchatmen und planen dafür von Anfang an ausreichend Puffer ein.



Besseggen-Grat: Die Kraxelpassage vor dem berühmten Viewpoint
Die steilste Passage kommt kurz vor dem Besseggen-Grat und gilt für viele als schwierigster Teil der Wanderung. Dabei kletterst du über Felsen nach oben, obwohl richt klettern musst du nicht. Deine Hände solltest du trotzdem benutzen. Wir hatten uns diesen Part ehrlicherweise deutlich schlimmer vorgestellt. Nach den vielen Kilometern über Stock und Stein war das Kraxeln für uns eine willkommene Abwechslung.
An weiteren felsigen Abschnitten gibt es Metallketten, an denen du dich festhalten oder hochziehen kannst. Technische Kletterkenntnisse brauchst du auch hierfür nicht. Trittsicherheit, eine gute Grundkondition und etwas Kraft in Armen und Beinen helfen aber enorm. Bei trockenem Untergrund war selbst meine Höhenangst kein großes Thema. Sobald die Felsen durch Regen nass und glitschig werden, ist es jedoch deutlich unangenehmer und erfordern volle Konzentration. Da runterpurzeln möchte schließlich wirklich niemand.
🥾 Für Wander-Neulinge: Falls du dir die felsigen Passagen allein nicht zutraust oder noch wenig Erfahrung im alpinen Gelände hast, übernimm dich nicht. Eine geführte Tour* kann dir zusätzliche Sicherheit geben, ohne dass du deshalb komplett auf den Besseggen verzichten musst.

Zwei Routen über den Besseggen: Memurubu oder Gjendesheim
Die Besseggen Wanderung lässt sich in zwei Richtungen laufen: von Memurubu nach Gjendesheim oder von Gjendesheim nach Memurubu. Strecke und Höhenmeter sind nahezu gleich. Klingt erst einmal nach derselben Wanderung, nur andersherum. In der Realität macht es einen riesigen Unterschied, ob du die steilen Streckenabschnitte hoch- oder runterkraxeln musst, ob du beim Wetterumschwung easypeasy umkehren kannst und ob die Fähre bereits hinter dir liegt oder am Ende als feste Deadline auf dich wartet.
- Route 1: Von Memurubu nach Gjendesheim
Die klassische Variante. Morgens fährst du mit der Fähre von Gjendesheim nach Memurubu und wanderst anschließend die komplette Strecke über den Besseggen zurück. Die steile Passage am Besseggen-Grat zum Viewpoint geht hier hinauf und die Fähre liegt bereits hinter dir. Am Ende wartet daher keine feste Abfahrtszeit mehr. - Route 2: Von Gjendesheim nach Memurubu
Du startest direkt in Gjendesheim, steigst zunächst in Richtung Veslfjellet auf und gehst die steile Passage am Besseggen-Grat am Viewpoint hinunter. In Memurubu nimmst du die Fähre zurück nach Gjendesheim, deren letzte Abfahrt den zeitlichen Rahmen für deine Wanderung vorgibt. Planst du dagegen nur ein Teilstück, kannst du auf demselben Weg einfach zurückkehren.
🤔 Unsere Empfehlung: Eine vollständige Überquerung würden wir nur bei stabilen Wetterbedingungen machen und morgens die Fähre nach Memurubu nehmen, um anschließend zurück nach Gjendesheim zu wandern. Bei einem späten Start oder bei einer wechselhaften Vorhersage würden wir uns nicht auf die komplette Route festlegen, sondern ab Gjendesheim starten und auf demselben Weg zurückkehren.
Unsere zwei Wandertage am Besseggen: Zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen
Versuch 1: Steiler Start ab Gjendesheim und schnelle Wetterwende
Die klassische Route vollständig zu wandern, war bei unserem ersten Versuch gar nicht geplant. Morgens hatten wir um 8 Uhr noch einen Call und erreichten den Parkplatz deshalb erst gegen 12:30 Uhr. Für die Fähre nach Memurubu und die anschließende Wanderung zurück nach Gjendesheim war das viel zu spät. Also starteten wir direkt in Gjendesheim und planten, nur bis zum Viewpoint zu laufen und anschließend auf demselben Weg zurückzukehren.

Alles fing ziemlich entspannt am Anleger in Gjendesheim an. Ohne großes Warm-up ging es direkt die ersten Stufen hinauf. Erst jammerten wir noch über die Kälte, keine zehn Minuten später liefen wir im T-Shirt den Hang hoch. Die Sonne schien, die Temperatur war angenehm und mit jedem Schritt wurde der Blick auf den unter uns liegenden Gjende besser.
Gleichzeitig wurde der Weg immer steiniger. Konditionell war das definitiv fordernd, bis dahin fühlte es sich aber noch machbar an. Nur mit unserer Einschätzung, gleich endlich oben zu sein und danach „nur noch geradeaus über den Grat“ zum Zwei-Seen-Blick laufen zu müssen, lagen wir ungefähr alle zehn Minuten daneben.

Warum wir den Besseggen-Aufstieg abgebrochen haben
Je höher wir kamen, desto schneller kippte das Wetter. Erst wurde der Wind stärker, dann fiel die Temperatur auf drei Grad und kurz darauf standen wir bei Regen mitten in einer dichten Wolkenfront. Aus T-Shirt-Wetter waren innerhalb kürzester Zeit kalte Hände, nasse Hosen und kaum noch Sicht geworden. Unser Plan: zwischen den Felsen Schutz suchen und warten, bis die Wolken weiterziehen.
Nach kurzer Recherche wurde uns allerdings schnell klar, dass wir noch immer nicht das Veslfjellet erreicht hatten, der berühmte Aussichtspunkt laut Karte noch gut drei Kilometer entfernt war und die Wolkenfront keinerlei Anstalten machte zu verschwinden. Also trafen wir eine ziemlich erwachsene Entscheidung: Wir drehten um. Schließlich wollten wir nicht irgendwann in einem True-Crime-Podcast auftauchen.


Der Rückweg war trotzdem prädestiniert für einen Abflug. Die Felsen wurden glitschig, die Ketten kalt und wir setzten unsere Schritte deutlich bewusster. Machbar war es weiterhin, angenehm war allerdings etwas anderes. Nach insgesamt drei Stunden und 700 bis 800 Höhenmetern kamen wir pitschnass, ziemlich platt und trotzdem glücklich wieder unten an. Gescheitert fühlte sich dieser Wandertag jedenfalls nicht an.
Ob wir enttäuscht waren, den Spot verpasst zu haben, für den alle hierherkommen? Ehrlicherweise nicht. Selbst wenn wir es noch bis dorthin geschafft hätten, hätten wir bei diesem Wetter vermutlich ohnehin kaum etwas gesehen. Das olle Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ passt hier ziemlich gut.

Versuch 2: 15 Kilometer ab Memurubu und endlich der berühmte Ausblick
Am Ende unseres Roadtrips durch Norwegen packte uns noch einmal die Lust, den Besseggen vollständig zu wandern. Nach acht Wochen und einigen erfolgreichen Wanderungen nagte ausgerechnet dieser Abbruch an unserem Ego. Also planten wir unsere letzten Tage so, dass wir für den zweiten Versuch einen möglichst sonnigen Tag erwischten, und drückten die Daumen, dass die norwegische Wetter-App YR dieses Mal richtig lag.
Ein paar Tage vorher buchten wir die Fähre von Gjendesheim nach Memurubu und stellten überrascht fest, dass die frühen Verbindungen bereits ausgebucht waren. Uns blieb nur noch die Abfahrt um 10:20 Uhr. Da wir für die Wanderung mit maximal acht Stunden rechneten, war das später als erhofft. Andererseits sollten uns die vielen norwegischen Höhenmeter inzwischen etwas fitter gemacht haben. Wir waren jedenfalls motiviert und ziemlich sicher: Dieses Mal schaffen wir es.

Kaiserwetter, 400 Höhenmeter und überraschend spaßiges Kraxeln
Schon am Anleger merkten wir, wie voll es an diesem Tag werden würde. Überall standen Gruppen, die Fähre war gut gefüllt und auf dem Wanderweg waren deutlich mehr Menschen unterwegs als bei unserem ersten Versuch. Offenbar hatten damals einfach alle anderen den Wetterbericht besser gelesen als wir. Während der Fahrt über den Gjende herrschte endlich Kaiserwetter. Die Sonne schien, das blaue Wasser leuchtete nur so und nach der Ankunft liefen wir wieder im T-Shirt los. Bessere Voraussetzungen hätten wir uns kaum wünschen können.

Wie bei Versuch Nr. 1 ging es ziemlich schnell steil bergauf: rund 400 Höhenmeter direkt zu Beginn. Not gonna lie, das war anstrengend af. Oben angekommen folgte eine längere, relativ gerade Passage, auf der sich unsere Beine kurz erholen konnten. Immer wieder blickten wir dabei auf das strahlende Wasser, grüne Berghänge und weiße Gletscher. Landschaftlich war diese Seite des Besseggen eine 100/10.
Irgendwann ging es wieder hinunter, nur damit wir anschließend erneut bergauf laufen durften. In Norwegen der Klassiker. Kurz vor dem Zwei-Seen-Blick wartete schließlich das große Kraxeln am Besseggen-Grat auf uns. Steil war es definitiv. Manche Schritte waren ziemlich groß und zwischendurch mussten wir uns mit den Händen hochziehen. Richtig klettern mussten wir allerdings nicht. Meine Höhenangst hielt sich in Grenzen, da ich nicht direkt am Abgrund stand, während andere Wanderer größere Schwierigkeiten hatten.


Wir hatten uns diesen Abschnitt deutlich schlimmer vorgestellt. Nach den vielen Kilometern über Stock und Stein war das Kraxeln eine willkommene Abwechslung und machte ehrlicherweise am meisten Spaß. Dennoch waren wir uns einig, dass wir die Passage lieber nicht hinunterlaufen würden.
Der eigentliche Endgegner: die letzten Kilometer
Oben am Viewpoint wartete genau der Ausblick, für den wir zurückgekommen waren. Der Blick auf die beiden Seen und die umliegenden Berge war den zweiten Anlauf definitiv wert.

Der schwierigste Teil lag damit eigentlich hinter uns. Der nervigste leider nicht. Ab dem Aussichtspunkt führt der Weg lange über eine karge, felsige Ebene bis zum Abstieg nach Gjendesheim. Der Pfad ist zwar ausgebaut, gleicht aber einer unebenen Schotterpiste und zieht sich endlos. Jedes Mal, wenn wir dachten, hinter der nächsten Erhebung müsste der Abstieg beginnen, wartete dort noch ein weiterer Anstieg. Und danach noch einer. Und noch einer. Irgendwann mussten nicht nur wir, sondern auch die anderen Wandernden um uns herum lachen. Alle schienen dasselbe zu denken: Jetzt sind wir da. Nein, doch nicht.
Und dann zogen auch noch Wolken auf und es fing an zu nieseln. Kannst dir denken, wie toll wir das nach unserem ersten Versuch fanden. Also wurden wir automatisch schneller und hofften, der Wolke irgendwie entkommen zu können. Glücklicherweise blieb es bei einem kurzen Nieselregen und wenig später war es wieder trocken.

Nach rund zehn Kilometern waren wir körperlich noch einigermaßen fit, hatten aber einfach keine Lust mehr. Nach 14 Kilometern wollten wir nur noch, dass diese Wanderung aufhört. Nach insgesamt 6,5 Stunden kamen wir müde, glücklich und ziemlich stolz zurück in Gjendesheim an. Der Besseggen brauchte bei uns eben zwei Anläufe: einen, der uns zeigte, wann Umkehren die richtige Entscheidung ist, und einen, bei dem wir verstanden, warum so viele Menschen für diesen Ausblick hierherkommen.
Was wir am Berg gelernt haben: Wetter checken, Ego zu Hause lassen
Zwei Versuche, zwei Laufrichtungen und komplett unterschiedliche Bedingungen: Unser erster Wandertag zeigte uns ziemlich deutlich, dass Umkehren die richtige Entscheidung war. Am Berg bringt dir der beste Plan wenig, sobald das Wetter nicht mehr mitspielt. Nur weil wir schon so weit gekommen waren und andere weiterliefen, mussten wir nicht auf Biegen und Brechen den Rest erzwingen. Schließlich sind wir keine erfahrenen Wanderer und wollten nichts riskieren. Beim zweiten merkten wir, welchen Unterschied eine bessere Planung, ein früherer Start und stabileres Wetter machen. Einfach wurde der Besseggen dadurch trotzdem nicht.
- Wetter für den Tag prüfen: Nur weil es unten trocken und sonnig aussieht, muss das weiter oben noch lange nicht so bleiben. Checke deshalb gezielt die Vorhersage. Während der Tour solltest du außerdem Wolken, Wind, Temperatur und Sicht im Blick behalten, denn die Bedingungen können sich innerhalb kurzer Zeit komplett verändern.
- Zwiebellook tragen: Temperatur, Wind, Sonne und Regen können stark wechseln. Sei auf jedes Wetter vorbereitet.
- Fähre früh buchen und genug Zeit einplanen: Verbindungen nicht erst kurz vor knapp buchen, könnte ausgebucht sein – besonders bei gutem Wetter. Plane außerdem Zeitpuffer für Pausen, Fotos und langsamere Passagen ein. Zeitdruck führt am Berg selten zu besonders cleveren Entscheidungen.
- Rechtzeitig umdrehen: Warte nicht, bis eine Situation richtig brenzlig wird. Ein Aussichtspunkt und eine vollständig abgehakte Route sind keinen riskanten Abstieg wert.
- Notrufnummern kennen: Wähle bei einem Unfall oder einer anderen akuten Notlage in den Bergen die 112. Brauchst du dringend medizinische Hilfe, erreichst du den Rettungsdienst unter 113. Such- und Rettungsaktionen in den Bergen koordinieren die norwegischen Hauptrettungszentralen (JRCC). Du erreichst sie unter 51 51 70 00 für Südnorwegen und 75 55 90 00 für Nordnorwegen.

Beste Zeit für den Besseggen: Saison und Andrang
Die beste Zeit für den Besseggen ist ein stabiler, möglichst trockener Tag zwischen Mitte Juni und Mitte Oktober. Wann die Strecke tatsächlich begehbar ist, hängt allerdings stark von Schnee und Wetter ab. Selbst bei unserem ersten Besuch im Juli lagen weiter oben noch vereinzelte Schneereste. Die Fähren verkehren nach einem saisonalen Fahrplan, weshalb du die aktuellen Verbindungen vor deiner Wanderung direkt bei Gjendebåtene prüfen solltest.
Am vollsten wird es normalerweise im Juli und bis Mitte August. Wie stark Wetter und Startzeit den Andrang beeinflussen, zeigten unsere beiden Wandertage ziemlich deutlich. Bei unserem ersten Versuch im Juli kamen wir an, als sich weiter oben bereits die Wolken zusammenzogen. Auf dem Parkplatz gab es ausreichend freie Plätze, am Anleger war kaum etwas los und während des Aufstiegs liefen vielleicht fünf andere Wanderer in dieselbe Richtung.

Beim zweiten Versuch sah es komplett anders aus: Die frühen Fähren waren bereits einige Tage vorher ausgebucht, unsere Verbindung war auch gut gefüllt und auf der Strecke waren zahlreiche Gruppen unterwegs. Von einsamer Bergidylle konnte dieses Mal keine Rede sein. Unser erster Eindruck war damit nicht repräsentativ. Bei gutem Wetter solltest du vor allem in der Hauptsaison mit vielen anderen Wandernden rechnen und dein Fährticket frühzeitig reservieren. Extra spät zu starten, um den größten Andrang zu umgehen, ist bei einer sechs- bis achtstündigen Bergwanderung allerdings keine besonders smarte Lösung.
Anreise nach Gjendesheim: Fähre, Parkplatz, Shuttle und Kosten
Damit du morgens überhaupt auf dem Besseggen stehst, müssen Anreise, Parkplatz, Shuttle und Fähre halbwegs zusammenspielen. Mit dem Mietwagen* erreichst du Gjendeosen über den Valdresflye Pass. Allein die Fahrt dorthin ist schon eine Augenweide. Trödeln solltest du trotzdem nicht zu lange, sonst verpasst du am Ende noch die Fähre. Ohne eigenes Fahrzeug kommst du während der Saison je nach Verbindung auch mit dem Bus ab Oslo oder Otta in Richtung Gjendesheim.

Parken am Besseggen: Reinsvangen statt Gjendeosen
Für die Besseggen-Wanderung kommen zwei Parkplätze infrage: Gjendeosen direkt am Anleger und das etwa 1,5 km entfernte Reinsvangen.
Direkt an der Fähre zu parken ist natürlich superpraktisch, kann aber ordentlich ins Geld gehen. Die ersten zwei Stunden sind kostenlos, danach kostet jede weitere Stunde 290 NOK (~26 €). Für einen kurzen Stopp ist das okay, bei einer sechs- bis achtstündigen Wanderung bist du allerdings schnell weit über 100 € los. Das muss nicht sein. In Reinsvangen bekommst du für 299 NOK (~27 €) ein Tagesticket für ein Auto mit maximal vier Personen inklusive Shuttle nach Gjendesheim. Das System wirkte beim Auffahren zunächst etwas unübersichtlich, war dann aber schnell erledigt:
- Beim Auffahren wird dein Kennzeichen automatisch von Kameras erfasst
- Auf dem Parkplatz scannst du den QR-Code auf den Schildern
- Anschließend wählst du das passende Park- und Shuttle-Ticket aus
- Bezahlt wird online per Kreditkarte oder Apple Pay

Danach wartest du entweder auf den Shuttle oder rufst kurz an, damit dich jemand abholt. Auf dem Rückweg war es unkomplizierter: Der Shuttle stand bereits an der Haltestelle und fuhr in regelmäßigen Abständen. Fotografiere den Fahrplan trotzdem direkt bei deiner Ankunft. Nach einem langen Wandertag möchtest du nicht feststellen, dass die letzte Fahrt weg ist und noch unfreiwillige 1,5 Kilometer vor dir liegen.
🅿️ Am Straßenrand entlang der Zufahrt darfst du nicht parken. Entsprechende Verbotsschilder stehen bereits kurz nach dem Abbiegen von der Hauptstraße.
Die Gjende-Fähre nach Memurubu
Im August 2026 kostete die Fahrt nach Memurubu 260 NOK pro Person (~23 €). Die erste Fähre legte um 7:45 Uhr ab, die letzte um 15:25 Uhr. In Gegenrichtung fuhr sie laut damaligem Fahrplan zwischen 8:55 und 16:55 Uhr.
Gerade für die frühen Verbindungen würden wir das Ticket vorab reservieren. Für unseren zweiten Versuch buchten wir einige Tage vorher und trotzdem waren die ersten Abfahrten bereits komplett ausgebucht. Uns blieb nur noch die Fähre um 10:20 Uhr. Du kannst auch direkt vor Ort die Tickets buchen, aber wenn dann die Verbindung voll ist, hast du Pech.

Gesamtkosten für die Besseggen Wanderung
Unser erster, abgebrochener Wandertag kostete uns lediglich das Parkticket inklusive Shuttle für 299 NOK (~27 €). Da wir ohne Fähre direkt in Gjendesheim starteten, war das die günstigste mögliche Variante. Beim zweiten Versuch kamen für uns beide noch 520 NOK (~50 €) für die Fähre hinzu. Zusammen mit dem Parkplatz und zwei Muffins (die übrigens köstlich sind) aus dem Café zahlten wir für den zweiten Wandertag insgesamt rund 85 € für uns beide.
Laut gedacht: Wir fanden die Parkplatzpreise zunächst auch ziemlich happig. Andererseits kostet die Wanderung selbst keinen Eintritt und auch für den Nationalpark zahlst du nichts. Parkplatz, Shuttle und die Infrastruktur vor Ort müssen trotzdem irgendwie finanziert werden. So betrachtet fanden wir den Preis am Ende schon ok.

Unsere Packliste für den Besseggen
Für den Besseggen brauchst du nicht den halben Outdoorladen auf dem Rücken, ein bisschen durchdachter als wir darfst du aber schon packen. Was wir in unseren Rucksäcken* dabei hatten:
- Wasser und Proviant: jeweils 1,5 Liter Wasser, Butterbrote, Obst, Süßigkeiten und weitere Snacks. Unser persönliches Highlight waren die Skyr-Quetschies: Proteine gut portioniert. Unterwegs gibt es keine Verpflegungsstation, also lieber zu viel für den ganzen Wandertag einpacken.
- Outin Espressomaschine*: War die unbedingt notwendig? Nein, aber wir lieben guten Kaffee.
- Kamera*: selbsterklärend, oder? Eine Drohne* kannst du direkt zu Hause lassen, die sind hier nicht erlaubt.
Was wir an hatten: lange Wanderhosen, vernünftige Wanderschuhe, Base Layer, Fleece und Regenjacke. Sonnenbrille* und Stirnband waren bei dem Wind ein Gamechanger. Ein paar Ersatzsachen im Auto schaden aber nie. Der Zwiebellook funktionierte grundsätzlich gut, nur unsere Wanderhosen waren dem längeren Regen allerdings nicht gewachsen.
🗺️ Für die Routenplanung und Navigation nutzten wir Komoot oder AllTrails. Lade dir die Karte vor dem Start offline herunter, solltest du aus unerfindlichen Gründen keinen Empfang mehr haben.


Übernachten und Camping rund um den Besseggen
Für die Besseggen Wanderung würden wir möglichst nah an Gjendesheim oder Memurubu übernachten. So sparst du dir morgens eine längere Anfahrt, erreichst entspannt die frühe Fähre und startest nicht direkt mit Zeitdruck.
Bei unserem ersten Besuch kamen wir aus Oslo und quartierten uns in Beitostølen ein. Genau genommen in einem privaten Zimmer*. Küche und Wohnzimmer teilten wir mit unseren Gastgebern Irvin und Tonje. Dazu gab es eine Sauna und eine kostenlose Lademöglichkeit für unser E-Auto. Der Vorteil an Beitostølen*: Du kannst hier Proviant in den Supermärkten besorgen oder noch vergessene Ausrüstung kaufen.
Für Besuch Nummer 2 waren wir in der geräumigen Unterkunft Lemonsjøen, Jotunheimen*, da wir aus dem Norden kamen. Allerdings musst du hier Bettzeug und Handtücher selbst mitbringen. Wir hatten morgens genug Zeit, um zur Fähre zu fahren. Möchtest du eine der ersten Verbindungen nehmen, würden wir trotzdem näher an Gjendesheim schlafen.
- Gjendesheim Turisthytte*: Direkt an der Fähre, pricey, aber convenient und mit kostenlosem Privatparkplatz
- Northern gate Besseggen – Cottage no 17 in Besseggen Fjellpark Maurvangen*: In der Nähe direkt an der Hauptstraße, mit kostenlosem Privatparkplatz. Du kriegst mehr für dein Geld (ganze Unterkunft mit eigenem Bad) musst aber noch bis zur Fähre ca. 3km (zu Fuß machbar)
- Bessheim Fjellstue og Hytter*: Etwas nördlicher ca. 5km zur Fähre entfernt, mit ähnlichem Preis-Leistungs-Verhältnis wie Cottage no 17
Bist du mit Wohnmobil oder Zelt unterwegs, kannst du rund um den Besseggen grundsätzlich auch wildcampen. In der Nähe von Hütten, Parkplätzen und stark besuchten Bereichen gelten allerdings Einschränkungen. Deshalb vorher prüfen, wo du dein Lager aufschlagen darfst und den Schlafplatz vor allem danach auswählen, wie schnell du morgens am Start bist.
Was du bei Zelten in Norwegen beachten solltest, erklären wir im Camping -Guide →

Fazit zum Besseggen: Es lohnt sich
Nach zwei Wandertagen verstehen wir, warum der Besseggen zu den bekanntesten Wanderungen Norwegens gehört: der Blick auf den grünen Gjende und den dunkelblauen Bessvatnet, steile Felswege und diese raue Berglandschaft, für die Norwegen bekannt ist. Nicht jeder der 15 Kilometer macht Spaß. Trotzdem war die Wanderung jede Mühe wert.
Auch unabhängig vom Besseggen würden wir wieder in den Jotunheimen-Nationalpark kommen. Die Landschaft ist viel mehr als nur die Kulisse für diesen einen berühmten Aussichtspunkt und hat uns bereits bei der Anfahrt beeindruckt. Vielleicht wird es beim nächsten Mal eine Tour auf den Gjendehø oder den Knutshø. Oder noch anspruchsvoller auf den Galdhøpiggen oder den Glittertind.
Diese Wanderung empfehlen wir allen, die sich realistisch einschätzen, vorbereitet losgehen und unterwegs bereit sind, ihren Plan zu ändern. Wer den Besseggen nur als schnelles Häkchen auf der Bucket List betrachtet, wird sich noch umgucken. Wandern in Norwegen ist einfach anders.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Besseggen
Wie schwer ist die Besseggen-Wanderung?
Die Wanderung ist sehr anspruchsvoll und führt über steile, felsige Passagen sowie rund 1.100 Höhenmeter. Gute Kondition, Trittsicherheit und wetterfeste Kleidung sind wichtig. Für wenig erfahrene Wandernde kann die vollständige Tour sehr fordernd werden.
Wie lange dauert die Wanderung über den Besseggen?
Für die vollständige Strecke solltest du etwa sechs bis acht Stunden einplanen. Die tatsächliche Dauer hängt von Laufrichtung, Kondition, Wetter und Pausen ab. Wir brauchten für die komplette Überquerung 6,5 Stunden. Unser abgebrochener Aufstieg ab Gjendesheim dauerte rund drei Stunden.
Welche Richtung ist am Besseggen besser?
Für die klassische Überquerung geht es morgens mit der Fähre nach Memurubu und von dort zurück nach Gjendesheim. So liegt die feste Abfahrtszeit am Anfang des Tages und du kraxelst die steile Passage am Besseggen-Grat hinauf statt hinunter. Startest du dagegen in Gjendesheim und planst nur ein Teilstück, kannst du bei schlechtem Wetter einfacher auf demselben Weg umdrehen.
Brauche ich für den Besseggen eine Fähre?
Für die klassische Überquerung zwischen Memurubu und Gjendesheim brauchst du eine Fährfahrt. Du kannst auch ab Gjendesheim aufsteigen und auf demselben Weg zurückkehren, wie wir es bei unserem ersten Versuch gemacht haben. Reserviere die Fähre in der Hauptsaison unbedingt vorab, da besonders die frühen Verbindungen schnell ausgebucht sind.
Ist der Besseggen etwas für Einsteiger?
Als erste längere Bergwanderung würden wir die vollständige Besseggen-Überquerung nicht empfehlen. Mit guter Grundfitness und Trittsicherheit kannst du ab Gjendesheim zunächst ein Stück aufsteigen und auf demselben Weg zurückgehen. So bekommst du ein Gefühl für den steilen Untergrund, ohne dich auf die komplette Route festzulegen.