Als wir Alta auf unsere Route durch Norwegen gepackt haben, war es vor allem eins: ein ziemlich praktischer Zwischenstopp auf dem Weg von Tromsø zum Nordkap. Die neun Stunden lange Fahrt wollten wir schließlich nicht an einem Stück bewältigen – verständlich, oder?
Viel erwartet hatten wir bis dahin nicht. Das änderte sich nach rund sechs Kilometern durch karge Landschaft, ein paar kleinen Flussüberquerungen und einem steilen Abstieg schlagartig. Denn der Blick in den grünen, gewaltigen Alta Canyon war eine glatte 100/10 und deutlich beeindruckender, als sämtliche Fotos vorher vermuten ließen. Aber der Reihe nach.


- Alta in Norwegen auf einen Blick
- Unser Highlight: die Wanderung zum Alta Canyon
- Orvvosfossen: Eine kurze Wanderung
- Übernachten in Alta: Camping & Hotels
- Alta planen: Anreise und Aufenthaltsdauer
- Praktische Tipps & Hinweise für den Alta Canyon
- Fazit zu Alta: Viel mehr als nur ein Zwischenstopp
- FAQ: Häufige Fragen zu Alta in Norwegen
Alta in Norwegen auf einen Blick
Alta liegt in der Finnmark am Altafjord und nennt sich “Nordlysbyen” – Stadt der Nordlichter. Auf dem nahe gelegenen Haldde wurde bereits 1899 das erste permanente Nordlicht-Observatorium der Welt gebaut. Haben wir tatsächlich auch erst bei der Recherche für diesen Artikel gelernt.
Für uns war das im Sommer allerdings ziemlich irrelevant. In den hellen Nächten waren Nordlichter sowieso kein Thema und auch die bekannten Sehenswürdigkeiten in Alta spielten bei unserem Aufenthalt eher die zweite Geige: Die UNESCO-Felszeichnungen von Hjemmeluft und die moderne Nordlyskatedralen haben wir bewusst ausgelassen – hat uns einfach nicht gereizt.

Wenn du eine hübsche, kompakte Altstadt oder einen Ort voller klassischer Sehenswürdigkeiten erwartest, wirst du in Alta ehrlicherweise nicht glücklich. Uns zog es daher raus aus der Stadt – allen voran zum Alta Canyon.
Unser Highlight: die Wanderung zum Alta Canyon
Die Wanderung zum Alta Canyon, auch Sautso genannt, war für uns der Hauptgrund, zwei Nächte in der Gegend einzuplanen. Oft wird die Schlucht als norwegischer Grand Canyon bezeichnet, was für uns erst einmal verdächtig nach Touristen-Ansturm klingt. Und ja, für norwegische Verhältnisse war auf dem Trail tatsächlich einiges los: Insgesamt sind uns vielleicht 20 Menschen begegnet. Massentourismus sieht für uns trotzdem etwas anders aus – nach diversen Reisen in Asien ist unsere Messlatte auch etwas verzerrt.
Nach der Wanderung können wir jedoch nur eines sagen: wow, wow, wow.
Quick Facts: ca. 12,6 Kilometer, 95 Höhenmeter, etwa 4 Stunden - wir haben mit Fotostopps und einer langen Pause am Canyon rund 5 Stunden gebraucht.

Der Weg zum Alta Canyon: länger als gedacht
Bei der Anfahrt solltest du aufpassen, dass du nicht zu früh parkst. Auf dem Weg liegen zwei Parkmöglichkeiten: Die erste gehört zur Wanderung zum Orvvosfossen, für den Alta Canyon musst du noch ein ganzes Stück weiterfahren. Der eigentliche Parkplatz ist kaum mehr als eine freie Fläche, zu der die Zufahrt stellenweise über Felsen führt. Wir haben uns bei der Anfahrt an der Komoot-Tour zur Alta-Schlucht Sautso orientiert.
Vom Parkplatz geht es erst einmal durch eine ziemlich offene, karge Landschaft mit niedriger Vegetation, Steinen und sehr viel Weite. Große Steigungen gibt es kaum und auch für uns als Wanderanfänger war der Weg technisch easy. Was sich irgendwann bemerkbar macht, ist eher die Distanz. Mit gut zwölf Kilometern solltest du für die Tour auf jeden Fall einen halben Tag reservieren.


Unterwegs haben wir mehrere kleine Flüsse überquert, was nach mehreren trockenen Tagen bei uns problemlos möglich war. Nach stärkerem Regen können dieselben Stellen natürlich ganz anders aussehen. Check deshalb vorher das Wetter der vergangenen Tage und die Bedingungen vor Ort.
Zwischendurch liefen uns mehrere Rentiere über den Weg, die frei durch die Landschaft zogen. Sobald sie uns bemerkten, hielten sie Abstand und verschwanden wieder. Als kleinen Bonus gab es außerdem Blaubeeren ohne Ende- einfach pflücken und als kleinen Energieschub snacken.

Für den besten Blick musst du noch weiter runter
Kurz vor dem Ziel wurde es noch einmal etwas verwirrend. Oben standen eine Bank und Infotafeln, weshalb wir erst dachten, wir hätten den Aussichtspunkt erreicht. Vom Alta Canyon war dort allerdings nur ein Teil zu sehen. Unser erster Gedanke “Das war alles? Schön, aber wirklich spektakulär ist es jetzt nicht.“
Dann sahen wir einen Weg, der noch weiter nach unten führte. Ausgeschildert war er entweder nicht oder wir haben den Hinweis gekonnt übersehen. Also dachten wir uns: Wenn wir schon mal hier sind, schauen wir eben, was da unten noch kommt. Ganz in den Canyon wollten wir schließlich nicht absteigen, dafür sah die Schlucht von oben schon brutal tief aus. Zum Glück sind wir weitergegangen!


Denn ein Stück weiter unten öffnete sich plötzlich der Blick auf die grüne Schlucht und den Fluss tief unter uns. Erst hier wurde uns so richtig bewusst, wie gewaltig der Alta Canyon tatsächlich ist. Wir blieben ziemlich lange dort, machten Fotos und schauten einfach nur runter – genau für diesen Moment hatte sich die ganze Strecke gelohnt.
Aber Achtung: Das letzte Stück zum Aussichtspunkt geht ziemlich steil bergab und war der steilste Abschnitt der gesamten Wanderung. Unten gibt es außerdem keine Absperrung, die Klippen fallen direkt ab. Entsprechend vorsichtig solltest du dich dort bewegen. Für ein Foto lohnt sich hier kein unnötiges Risiko.
Wenn du eine Drohne* hast, nimm sie mit - es lohnt sich.
Und dann wartet natürlich noch der Rückweg. Was auf dem Hinweg kaum auffällt: Über weite Teile geht es ganz leicht bergab. Zurück läufst du dieselben gut machbaren Steigungen wieder hoch. Technisch bleibt die Strecke auch dann unkompliziert, nach inzwischen einigen Kilometern haben wir den Rückweg aber deutlich stärker in den Beinen gemerkt.

Orvvosfossen: Eine kurze Wanderung
Vom ersten Parkplatz führt eine weitere Wanderung zum Orvvosfossen. Mit rund vier Kilometern und 160 Höhenmetern ist die Tour deutlich kürzer als der Weg zum Alta Canyon und laut Komoot in etwas mehr als einer Stunde machbar. Wir wollten sie eigentlich noch mitnehmen, aber jedes Mal, wenn wir loswollten, fing es an zu regnen. Also fiel der Hike wortwörtlich ins Wasser. Wenn du früh losgehst, nicht trödelst und das Wetter mitspielt, kannst du den Canyon und den Orvvosfossen gut miteinander verbinden.
Übernachten in Alta: Camping & Hotels
Auf unserem Roadtrip durch Norwegen waren wir mit Mietwagen* und Zelt unterwegs, deswegen haben wir erst einmal die Campingplätze abgeklappert. Wir wollten uns ein paar anschauen und dann entscheiden, wo wir die nächsten zwei Nächte bleiben.
Los ging es beim Alta River Camping*. Dort gab es bei unserer Ankunft allerdings nur wenig Platz für Zelte und die Camper standen ziemlich eng beieinander. Also fuhren wir direkt nebenan zum Alta Strand Camping & Apartment – und der gefiel uns schon deutlich besser.
Weil wir schon einmal dabei waren, haben wir uns anschließend auch noch Camping Solvang etwas außerhalb angeschaut. Der kleine Platz liegt ruhig in einem Waldstück am Fluss, hatte saubere Sanitäranlagen und ebenfalls eine Gemeinschaftsküche. Für zwei Personen mit Zelt hätten wir 355 NOK (~32 €) gezahlt. Schön war es dort definitiv, Alta Strand Camping & Apartment gefiel uns trotzdem besser. Also ging es wieder zurück.

Der Platz liegt direkt am Fluss, war gepflegt und hatte saubere Sanitäranlagen sowie eine Gemeinschaftsküche mit Herd, Mikrowelle und Spüle. Für zwei Personen, Auto und Zelt haben wir 320 NOK (~30 €) gezahlt. Wie genau dieser Preis zustande kam, haben wir allerdings nicht ganz verstanden. Mit dem, was auf dem Schild stand, wollte er nicht so richtig zusammenpassen. Aber sei’s drum.
Falls du lieber in einem richtigen Bett schläfst, gibt es einige Hütten, Apartments und Hotels – teilweise auch direkt auf den Campingplätzen. Die sind meist einfacher, dafür oft günstiger. Wenn du möglichst nah am Start der Canyon-Wanderung schlafen möchtest, ist die Gargia Lodge* praktisch gelegen. Für etwas mehr Komfort direkt am Fluss kannst du dir die Sorrisniva Arctic Wilderness Lodge* anschauen. Auf unserer persönlichen Wunschliste steht außerdem noch das Trasti & Trine*, einem kleinen Boutique-Hotel mit lokalem Essen und Schlittenhunden für Wintertouren.
Alta planen: Anreise und Aufenthaltsdauer
Für uns war Alta Teil unseres Roadtrips von Tromsø zum Nordkap, also kamen wir mit dem Mietwagen* an und sind nach unserem Aufenthalt einfach weiter Richtung Norden gefahren. Wenn du nicht selbst fahren möchtest, kannst du hinfliegen oder mit dem Bus anreisen.
Vor Ort ist ein Auto allerdings Gold wert. Der Startpunkt der Wanderung zum Canyon liegt außerhalb der Stadt und auch einige Unterkünfte und Campingplätze verteilen sich rund um Alta. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es zwar, bis zum Ausgangspunkt der Canyon-Wanderung kommst du damit allerdings nicht.

Bei der Aufenthaltsdauer würden wir wieder genauso planen: Nach der langen Fahrt aus Tromsø hatten wir null Lust, direkt noch mehrere Stunden wandern zu gehen. Also blieben wir zwei Nächte, kamen erst einmal in Ruhe an und machten uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Canyon. Mit einer frühen Ankunft kannst du die Wanderung theoretisch noch am selben Tag machen und am nächsten Morgen weiterfahren.
Auf dem Rückweg vom Nordkap landeten wir sogar noch einmal spontan in der Gegend und verbrachten eine weitere Nacht in einer richtig schönen Hütte. Geplant war das ursprünglich nicht, rückblickend passte es aber ziemlich gut zu Alta: viel Ruhe, viel Natur und wenig Grund, irgendetwas im Akkord abzuhaken.


Praktische Tipps & Hinweise für den Alta Canyon


Fazit zu Alta: Viel mehr als nur ein Zwischenstopp
Alta war einer dieser Stopps, von denen wir vorher eigentlich gar nichts erwartet hatten. Ein Punkt auf der Route, um die lange Strecke Richtung Nordkap angenehmer zu machen. Und ausgerechnet der ist uns am Ende stärker im Kopf geblieben, als wir gedacht hätten.
Vielleicht auch, weil der Wow-Moment so unerwartet kam. Erst diese endlose, karge Landschaft, dann ein Weg, bei dem wir kurz dachten, wir wären schon am Ziel – und plötzlich dieser Blick in den Canyon. Solche Momente sind für uns der Grund, warum wir Roadtrips so lieben: Du planst einen praktischen Zwischenstopp und bekommst am Ende eine Erinnerung, mit der du überhaupt nicht gerechnet hast.
Alta als Stadt würden wir vermutlich auch beim nächsten Mal nicht groß ins Sightseeing-Programm aufnehmen. Die Gegend drumherum dafür sofort wieder. Und dann würden wir dem Orvvosfossen hoffentlich endlich auch noch eine Chance geben.


FAQ: Häufige Fragen zu Alta in Norwegen
Ist Alta am Nordkap?
Nein, Alta liegt nicht direkt am Nordkap, ist aber eine der klassischen Etappen auf dem Weg dorthin. Von Alta bis zum Nordkap sind es rund 230 Kilometer, für die du mit dem Auto ungefähr vier Stunden einplanen solltest.
Was macht man in Alta?
Für uns lagen die spannendsten Aktivitäten außerhalb der Stadt. Allen voran die Wanderung zum Alta Canyon, zusätzlich kannst du zum Orvvosfossen wandern. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Alta selbst gehören außerdem die UNESCO-Felszeichnungen von Hjemmeluft und die Nordlyskatedralen.
Ist Alta schön?
Die Stadt hat uns ehrlich gesagt nicht besonders abgeholt. Wenn du eine hübsche Altstadt oder gemütliche Gassen erwartest, wirst du vermutlich enttäuscht. Ganz anders sieht es mit der Umgebung aus: Die weite, karge Landschaft drumhherum und vor allem der Canyon haben uns richtig beeindruckt.

