Als wir unsere Rundreise durch Norwegen geplant haben, ist uns der Rago Nationalpark rein zufällig ins Auge gesprungen. Kein Reiseführer hatte ihn uns empfohlen, auf Social Media hatten wir auch noch nichts davon gesehen. Nur eine Wanderung zu einem Wasserfall, die auf Komoot ziemlich vielversprechend aussah.
Ein Spot, an dem offenbar nicht jeder unterwegs ist? Lieben wir. Vielleicht hatten wir ja tatsächlich mal so etwas wie einen „Geheimtipp“ gefunden. Also haben wir zwei Nächte eingeplant und uns auf den Litlverivassforsen gefreut. Allerdings hatte der norwegische Sommer andere Pläne mit uns und wir bekamen einen Wandertag, den wir uns so jedenfalls nicht vorgestellt hatten. Komm einfach mal mit und wir zeigen dir ein Stück Norwegen Off-the-klassischem-Touri-road.

- Rago Nationalpark: Ein Abstecher auf dem Weg nach Nord-Norwegen
- Unsere Wanderung zum Litlverivassforsen
- Weitere Wanderungen: Klipforsen und Melloforsen-Hängebrücke
- Rago Nationalpark planen: Reisedauer, Parken & Ausrüstung
- Übernachten am Rago Nationalpark: Øyra Camping und Alternativen
- Fazit zum Rago Nationalpark: Pitschnass & trotzdem war es gut
- FAQ: Häufige Fragen zum Rago Nationalpark
Rago Nationalpark: Ein Abstecher auf dem Weg nach Nord-Norwegen
Falls du Rago gerade zum ersten Mal auf der Karte suchst: Der Nationalpark liegt etwa 80 Kilometer von Bodø entfernt, wo viele Reisende die Fähre auf die Lofoten nehmen. Hinter uns lagen Tage an der Helgelandküste mit Torghatten und Lovund. Vor uns lag die Weiterfahrt Richtung Tromsø. Für uns lag der Abstecher fast ohne Umweg ein Stück abseits der E6 auf der Strecke nach Norden. Auf der Fahrt dorthin wurde es ruhiger. Abends war kaum jemand unterwegs, die Landschaft wurde schroffer und nach der Zeit an der Küste gefiel uns dieser Wechsel ziemlich gut.
Was wir vorher nicht wussten: Der Rago Nationalpark ist mit 171 Quadratkilometern zwar ziemlich klein, gehört aber zu den ältesten Nationalparks Norwegens und bildet zusammen mit den schwedischen Parks Padjelanta, Sarek und Stora Sjöfallet eines der größten zusammenhängenden Schutzgebiete Nordeuropas. Klar war nur, dass es hier vor allem ums Wandern geht.

Unsere Wanderung zum Litlverivassforsen
Die Wanderung zum Litlverivassforsen ist wohl der bekannteste Trail im Rago Nationalpark. Auch wir wollten dorthin: durch den Wald, über Bachläufe und Felsen, um am Ende diesen Wasserfall mit Blick ins Tal zu sehen. Nur das Wetter spielte am Morgen nicht mit. Statt Sonnenschein starteten wir mit Regen und Nebel. Laut der norwegischen Wetter-App YR sollte es im Laufe des Tages aber aufklaren. Wir waren optimistisch, also sind wir los.
ℹ️ Quick Facts Litlverivassforsen: ca. 11 Kilometer hin und zurück, rund 650 Höhenmeter, laut Komoot 4 Stunden (wir: 5 Stunden), Start am Litlverivassforsen turparkering, keine Einkehr unterwegs.
Wie schwer ist die Wanderung zum Litlverivassforsen wirklich?
Von Anfang an wird klar, dass der Wanderweg kein lockerer Spaziergang wird. Loslaufen und erst mal reinkommen? Fehlanzeige. Vom Parkplatz aus geht es sofort ordentlich bergauf. Immerhin ist der Pfad zunächst gut geebnet und unterwegs stehen in regelmäßigen Abständen Sitzbänke. Fast so, als hätte jemand beim Aufstieg die Pausen direkt mit eingeplant.
Nach dem Anstieg führte der Bohlenweg erst einmal entspannt durch ein Moorgebiet und den Wald. Zwischendurch hielten wir an, um Blaubeeren zu naschen. Kurzzeitig klarte sogar das Wetter auf und wir dachten: „Jackpot, der anstrengendste Part liegt hinter uns und gleich kriegen wir DEN traumhaften Blick.“ Denn laut Komoot sollte es ab jetzt nur noch bergab gehen und wir wären bald schon am Aussichtspunkt. Tja, zu dem Zeitpunkt haben wir der App noch vertraut.


Aber von einem Aussichtspunkt war lange nichts zu sehen und dann war der Wald zu Ende. Was folgte: Felsen, Bäche, Kraxeln. Inzwischen hatte es sich auch wieder zugezogen. An einer Stelle mussten wir uns an einem nassen Felsen mit einem Mini-Seil zu einer Holztreppe hochziehen. Bei trockenem Wetter wäre das vermutlich halb so wild gewesen. Im Regen war es machbar, aber richtig glitschig und alles andere als cool. Wir dachten uns nur: FML.
🪨🔴 Unser größtes Problem: die Orientierung. Der Weg ist mit roten Markierungen versehen. Bei Nebel und einer Sichtweite von weniger als fünf Metern waren sie aber teilweise schwer zu erkennen. Besonders an den Felsabschnitten war nicht immer sofort klar, wo es weitergeht. Also sind wir ständig stehen geblieben und haben gesucht.
Und dann denkst du, du bist ENDLICH da – leider nein, leider gar nicht. Es geht erst einmal über große, glatte Felsen weiter, bis sich schließlich der Blick auf den Bergsee Bassejávrre und den Litlverivassforsen öffnet. Oben stellte sich uns allerdings noch eine andere Frage: Wie weit wollten wir bei diesem Wetter überhaupt weitergehen?


Litlverivassforsen im Nebel: Warum wir umgedreht sind
Die Antwort war: nicht mehr bis zur Brücke. Dort verschlechterte sich das Wetter noch einmal rapide. Der Regen wurde stärker, die Sicht war kaum vorhanden und dann kam Wind dazu. Jetzt noch weiter runter zur Brücke und über die glatten Felsen hoch und runter zu kraxeln, fühlte sich für uns bei diesem Wetter nicht richtig an. Den Litlverivassforsen selbst konnten wir zwar halbwegs erkennen, aber mehr als ein „Ja, das kann bestimmt richtig toll aussehen“ war an diesem Tag nicht drin. Auch der Blick ins Tal mit seinem auffallend blauen Fluss, dem Wald und den Bergen drumherum muss bei sonnigem Wetter der Hammer sein.

Also haben wir nicht lange dort verweilt, nochmal ins Tal geschaut und uns auf den Rückweg gemacht. Da haben wir erst gemerkt, wie viel es in der Zwischenzeit geregnet hatte. Stellen, die auf dem Hinweg noch überschaubar matschig waren, waren jetzt deutlich rutschiger. Über die kleinen Bäche mussten wir inzwischen springen. Und um diese Wanderung perfekt abzurunden, bin ich kurz vor Ende noch vornüber ins Moor gefallen. Das war dann aber auch egal. Trotz Regenkleidung und gescheiten Wanderschuhen waren wir längst bis auf die Unterhosen pitschnass.
Das einzig wirklich Gute bei dem Wetter? Auf der gesamten Strecke sind uns gerade einmal fünf andere Wanderer begegnet. Kein Gedränge am Aussichtspunkt, keine Warteschlange am Wasserfall, einfach Ruhe. Und mal abgesehen von unserem Wetter-Fiasko: Der Trail ist toll, die Landschaft wunderschön und das Ziel würden wir uns liebend gern noch einmal ohne Nebel ansehen.
🌦️ Heads Up: Eigentlich hatten wir überlegt, die Wanderung auf den Abreisetag zu verschieben. Für den war besseres Wetter angesagt. Im Rückblick waren wir froh, dass wir trotzdem losgegangen sind: Auf norwegische Wetterprognosen kannst du dich nur bedingt verlassen. Und uns nach fünf Stunden im Regen auch noch pitschnass ins Auto setzen zu müssen, stellen wir uns extrem unangenehm vor.

Weitere Wanderungen: Klipforsen und Melloforsen-Hängebrücke
Eigentlich hatten wir für unseren Aufenthalt noch eine zweite Wanderung geplant: die Runde zum Klipforsen und zur Melloforsen-Hängebrücke. Laut Komoot ist sie rund 3,5 Kilometer lang, hat 390 Höhenmeter und dauert keine zwei Stunden. Klang nach einer kurzen Tour. Aber dann war für unseren Abreisetag ebenfalls Regen angesagt und unsere Klamotten vom Vortag waren noch nass. Also haben wir den Trail geskippt. Da auf unserem Roadtrip noch so einige Wanderungen vor uns lagen, waren wir darüber auch nicht besonders traurig.
Dabei hätten wir im Rago Nationalpark problemlos noch mehr Zeit mit Wandern verbringen können. Wenn du eine längere Tour planst, kannst du am Litlverivassforsen weiterwandern, am Storskogvatnet übernachten und beim Melloforsen wieder auskommen. Für uns ist das jedenfalls ein guter Grund, noch einmal wiederzukommen. Dann hoffentlich im Trocknen.

Rago Nationalpark planen: Reisedauer, Parken & Ausrüstung
Falls du den Rago Nationalpark jetzt auf deine Route setzen willst: Viel planen musst du dafür nicht. Ein paar Dinge hätten wir vor unserem Besuch trotzdem gern gewusst. Vor allem, wo genau die Wanderung startet und was wir am Ende tatsächlich gebraucht haben.
🗓️ Wir waren Anfang August 2026 dort und haben zwei Nächte eingeplant: ankommen, einen ganzen Tag für den Litlverivassforsen und am nächsten Tag weiterfahren. Das würden wir wieder so machen. Für die lange Wanderung würden wir an dem Tag keine lange Fahrt mehr planen.
🅿️ Der Wanderweg zum Litlverivassforsen startet direkt am Litlverivassforsen turparkering: Ein einfacher, kostenloser Platz mit kleiner Unterstellhütte, Bänken, einem Tisch und einem Plumpsklo. Falls er belegt sein sollte, liegt nur wenige Meter entfernt ein zweiter Parkplatz.
🎒 Was du für die Tour auf jeden Fall dabeihaben solltest: Regenjacke, Regenhose und Überzug für den Rucksack. Trocken geblieben sind wir damit zwar auch nicht, ohne diese Sachen wäre der Tag noch ungemütlicher geworden. Was wir vergessen hatten und rückwirkend noch einpacken würden: eine Plastiktüte für die wichtigsten (elektronischen) Dinge.
🥐 Verpflegung solltest du ebenfalls einpacken, unterwegs gibt es keine Einkehr. In Straumen gibt es einen Supermarkt, rund 16 Kilometer vom Parkplatz entfernt. Deck dich also rechtzeitig ein.

Übernachten am Rago Nationalpark: Øyra Camping und Alternativen
Wir haben uns für Øyra Camping entschieden. Vom Platz bis zum Trailhead waren es nur rund drei Kilometer beziehungsweise vier Minuten mit dem Auto. Ziemlich praktisch, wenn du nach einer Wanderung einfach nur noch unter eine warme Dusche willst.
Der Platz liegt auf einer kleinen Insel direkt am Wasser und es stehen relativ viele Langzeitcamper dort. Zwar wirken manche Ecken etwas verwahrlost, aber die Waschräume sind sauber und warm. Deinen Stellplatz kannst du frei wählen. Wir haben uns eine geschützte Ecke gesucht und unser Zelt auf einem Holz-Plateau aufgebaut, damit es nicht direkt im Matsch stand.


Bei unserem Besuch im August 2026 kostete ein Zelt 290 NOK (~29 €), ein Wohnmobil, Wohnwagen oder Hauszelt 370 NOK (~37 €) und eine Hütte 800 NOK (~80 €). Für fünf Minuten Duschen kamen noch 10 NOK (~1 €) dazu. Ist niemand an der Rezeption, wirfst du das Bargeld in einem Umschlag in den Briefkasten oder rufst die angegebene Nummer an, Kartenzahlung ist ebenfalls möglich. Alles ziemlich simpel gehalten.
⚠️ Auf dem Weg zu Øyra Camping: Von der E6 aus fährst du durch einen sehr engen Tunnel, in dem dir auch Fahrzeuge entgegenkommen können. Zum Ausweichen gibt es keinen Platz. Fahr also vorsichtig hinein und rechne damit, im Zweifel rückwärts zurückfahren zu müssen.
Falls dir Øyra nicht zusagt, haben wir uns auch Strømhaug Camping in Straumen angesehen, rund 15 Kilometer vom Wanderparkplatz entfernt. Der Platz wirkte kleiner und gepflegter, die Waschräume waren allerdings etwas in die Jahre gekommen. Für unser Zelt hätten wir dort 320 NOK (~30 €) gezahlt. Wenn du lieber in einer Unterkunft schläfst, kannst du auch in Fauske* oder Straumen* schauen.

Fazit zum Rago Nationalpark: Pitschnass & trotzdem war es gut
Während der Wanderung gab es definitiv Momente, in denen wir uns gefragt haben, warum wir uns das gerade antun.Und trotzdem haben wir hinterher nicht bereut, für den Rago Nationalpark abgebogen zu sein. Denn für das Wetter kann keiner was.
Es war gerade der Kontrast zu den bekannteren, volleren Spots, der uns im Rückblick gecatcht hat. Wir hatten unsere Ruhe, mussten uns den Weg ein bisschen erarbeiten und haben selbst durch den Nebel noch gesehen, wie besonders diese Landschaft ist. Dass wir den Wasserfall nicht richtig zu Gesicht bekommen haben, ist schade. Aber ein guter Grund nochmal herzukommen. Dann mit ein bisschen weniger Wasser in unseren Wanderschuhen und mehr Sonnenschein im Gesicht.


FAQ: Häufige Fragen zum Rago Nationalpark
Wie lange dauert die Wanderung im Rago Nationalpark?
Komoot gibt für die Tour rund vier Stunden an. Wir haben bei Regen fünf Stunden gebraucht. Für die kürzere Runde zum Klipforsen und zur Melloforsen-Hängebrücke veranschlagt Komoot etwa 1:45 Stunden
Wo parkt man für die Wanderung zum Litlverivassforsen?
Am Litlverivassforsen turparkering direkt am Wanderweg. Ein zweiter kleiner Parkplatz liegt nur wenige Meter entfernt. Vor Ort gibt es eine Unterstellhütte, Bänke, einen Tisch und ein Plumpsklo.
Gibt es im Rago Nationalpark eine Hängebrücke?
Ja, die Hängebrücke am Melloforsen. Sie liegt auf einer rund 3,5 Kilometer langen Runde ab Lakshol, die auch am Klipforsen-Wasserfall vorbeiführt.
Wo kann man am Rago Nationalpark campen?
Wir haben auf Øyra Camping übernachtet, rund drei Kilometer vom Start unserer Wanderung entfernt. Strømhaug Camping in Straumen ist eine weitere Möglichkeit, etwa 15 Kilometer vom Wanderparkplatz entfernt.