Torghatten Wanderung an der Helgelandküste: 1.100 Stufen durch den Berg

Ein Berg mit einem riesigen Loch mittendrin: Das Motiv des Torghatten ließ uns seit unserer Recherche für den Roadtrip Richtung Nordkapp nicht mehr los. Also bogen wir nach sieben Stunden Fahrt aus Trondheim raus an die Helgelandküste bei Brønnøysund, mit entsprechend großer Vorfreude auf den Berg mit dem berühmten Loch.

Bequem am Wegesrand liegt Torghatten nämlich nicht, von der E6 musst du bewusst raus an die Küste. Aber für einen spektakulären Blick fahren wir doch gerne Umwege. Was uns dann erwartet hat, war ganz anders als gedacht – für uns liegt das eigentliche Highlight hinter dem Felsen.

Unsere Wanderung: Durch das Loch auf die andere Seite

Unsere Torghatten Wanderung begann direkt am Parkplatz mit dem Teil, der auf der gesamten Runde am meisten in die Beine geht: dem Aufstieg zum berühmten Loch. Laut Beschilderung warteten rund 1.100 Stufen auf uns. Klingt erst einmal viel, aber der Weg wurde in den vergangenen Jahren umfassend erneuert und führt heute über breite, von Sherpas aus Nepal angelegte Steinstufen ziemlich gleichmäßig den Berg hinauf. Dadurch lässt sich der Aufstieg wirklich gut bewältigen, ein bisschen Kondition solltest du trotzdem mitbringen. Wir würden die Wanderung insgesamt als einfach bis moderat einordnen: eher ein sportlicher Spaziergang mit vielen Stufen als eine Tour, bei der du kraxeln oder großartig über Wurzeln wandern musst.

Das Loch tauchte dann auch früher vor uns auf, als wir erwartet hatten. Und erst als wir direkt davor standen, haben wir gemerkt, wie riesig dieser Durchgang eigentlich ist: rund 160 Meter lang, bis zu 35 Meter hoch und etwa 20 Meter breit.

 Quick Facts Torghatten Wanderung: 2,8 km, 200 Höhenmeter, 1,5-2 Stunden

Bei so einem Loch mitten im Berg stellt sich natürlich ziemlich schnell die Frage, wie das Ganze überhaupt entstanden ist. Geologisch sind wohl Frostverwitterung und Küstenerosion entlang einer Schwächezone im Fels gegen Ende der letzten Eiszeit verantwortlich. Die norwegische Sage ist da etwas unterhaltsamer: Ein Troll schoss einen Pfeil auf eine Jungfrau, ein anderer warf seinen Hut dazwischen und kurz darauf erstarrten beim Sonnenaufgang alle zu Stein. Der durchlöcherte Hut wurde zum Torghatten.

Und irgendwie passt die Trollgeschichte erstaunlich gut zu dem Ort. Sobald wir in den Felsen hineingelaufen sind, mussten wir beide direkt an Der Herr der Ringe und Der Hobbit denken. Der massive graue Fels über uns, das Licht am anderen Ende und dazu der Wind, der durch den Durchgang zog, hätte auch irgendwo in Mittelerde sein können.

Drinnen wurde es sofort kälter und unsere Schritte hallten zwischen den Felswänden. Mit jedem Meter öffnete sich vor uns ein bisschen mehr von der anderen Seite und langsam kam die wunderschöne Aussicht hinter dem Berg zum Vorschein – die wir so überhaupt nicht erwartet haben.

Hinter dem Torghatten wartet der schönste Blick

Und der hatte es in sich. Hinter dem grauen Fels wartete die Helgelandküste auf uns: blaues Wasser, kleine grüne Inseln und dazwischen diese typisch norwegischen roten und weißen Häuser. Wow wow wow, definitiv unser Highlight am Torghatten. Mit Sonne dazu wären die Malediven Vibes vermutlich komplett gewesen.

Blick aus den Felsen des Torghatten auf blaues Wasser und kleine grüne Inseln

Wir blieben entsprechend eine ganze Weile im Ausgang des Lochs stehen, bevor es auf der anderen Seite wieder bergab ging. Nach den vielen Stufen führt ein normaler Wanderweg entspannt hinunter, vorbei an grünen Wiesen und Wald, mit dem Meer immer wieder in Sichtweite. Unten riecht es nach Algen und Meer und die Landschaft fühlt sich direkt „wärmer“ an als im kalten Felsdurchgang. Gerade dieser Wechsel vom grauen Stein zurück ins Grüne hat uns an der Runde richtig gut gefallen.

Etwa auf halber Strecke haben wir noch den Abstecher zum Viewpoint Brønnøysund mitgenommen. Von dort bekommst du noch einmal einen anderen Blick auf den Torghatten, bevor es entspannt weiter um den Berg herumgeht. Wenn du Lust hast, das Wetter mitspielt oder du einfach noch ein paar Höhenmeter schrubben willst, kannst du zum Ende der Runde noch zum Gipfel hochsteigen. Wir haben das diesmal sein gelassen, weil es rund um unsere Wanderung ordentlich gewindet und geregnet hatte. Die Trolle meinten es aber gut mit uns und genau für unsere Runde haben wir ein trockenes Wetterfenster erwischt.

 Unsere Empfehlung für die Laufrichtung: Geh vom Parkplatz zuerst über die Steintreppen zum Loch und danach auf dem Rundweg zurück. Der Aufstieg ist so angenehmer und der Blick, wenn du aus dem Loch kommst, ist einfach einsame Spitze.
Blick auf den Torghatten vom Viewpoint Brønnøysund, davor stehen rote Häuser

Anreise zum Torghatten über die Helgelandküste

Zum Torghatten kommst du mit dem Auto über Brønnøysund und die Insel Torget. Die Straße führt dich am Ende praktisch direkt bis zum Berg, wo auch der große Parkplatz für die Wanderung liegt. Von der E6 aus bedeutet das allerdings einen ordentlichen Schlenker an die Helgelandküste. Mal eben im Vorbeifahren mitnehmen funktioniert also nicht. Für einen kurzen Fotostopp ist der Umweg zu groß, wir hatten Torghatten explizit auf unserm Roadtrip von Trondheim zum Nordkapp eingeplant.

Die Parkplatzsituation vor Ort war bei unserem Besuch im August 2026 entspannt. Obwohl Torghatten zu den bekanntesten Naturzielen der Region gehört, herrschte erstaunlich wenig Betrieb. Bei so einem bekannten Postkartenmotiv hatten wir mit deutlich mehr Menschen gerechnet. Auch Parkgebühren hatten wir erwartet, tatsächlich kannst du hier bis zu vier Stunden kostenlos parken.

 Good to know: Am Parkplatz gibt es eine Infostation sowie Toiletten und Unterstellmöglichkeiten.
Blick auf einen grün bewachsenden Berg, der im Fjord liegt

Wie viel Zeit für Torghatten einplanen: eine Nacht oder länger?

Eine Nacht reicht für Torghatten normalerweise völlig aus. Wir blieben zwei, allerdings vor allem, weil wir erst relativ spät aus Trondheim ankamen. Unser Plan war maximal entspannt: am ersten Tag ankommen, am zweiten wandern und am dritten weiterfahren. Im Nachhinein hätten wir nach der Runde aber genauso gut wieder ins Auto steigen und weiterdüsen können.

Dass wir uns bewusst mehr Zeit genommen haben, hat sich bei unserem Wetter trotzdem gelohnt. Im August wechselten sich Regen, Wind und kurze trockene Phasen munter ab, sodass wir uns gar nicht erst auf eine feste Uhrzeit für die Wanderung festgelegt haben. Mit einer zusätzlichen Nacht konnten wir einfach schauen, wann sich das beste Wetterfenster auftut. Im Sommer haben uns außerdem die langen, hellen Tage bei der Planung geholfen. Du musst also nicht zwingend morgens um acht auf dem Trail stehen und kannst die Wanderung ziemlich flexibel in deinen Roadtrip einbauen. Auf stabiles Wetter solltest du dich trotzdem nicht verlassen.

 Unsere Empfehlung: Eine Nacht reicht für Ankunft, Wanderung und Weiterreise normalerweise aus. Zwei Nächte würden wir einplanen, wenn du zusätzlich auf den Gipfel möchtest, rund um Torghatten noch weitere Wege erkunden willst oder dir wegen des Wetters etwas Puffer lassen möchtest.
Blick auf blaues Wasser und kleine grüne Inseln am Torghatten

Übernachten und einkehren rund um Torghatten

Torghatten Camping direkt am Berg

Nach der langen Fahrt aus Trondheim waren wir ziemlich froh, dass wir für die Nacht nicht mehr groß suchen mussten. Das Torghatten Camping & Beach Restaurant AS liegt direkt am Berg und damit nur ein paar Minuten vom Start der Wanderung entfernt. Wir haben dort zwei Nächte gezeltet und konnten uns ohne Reservierung einen Platz auf diesem riesigen Gelände aussuchen. Als wir zwischendurch an der Rezeption standen, haben wir allerdings mitbekommen, dass die Hütten für die nächsten Tage komplett ausgebucht waren. Wenn du nicht mit Zelt oder Camper unterwegs bist, würden wir deshalb vorher einmal online schauen, reservieren oder kurz anrufen.

Zur Auswahl stehen Plätze für Wohnmobile und Camper sowie eine Zeltwiese und Hütten. Für unser Zelt haben wir 300 NOK (~28 €) ohne Strom beziehungsweise 350 NOK (~32 €) mit Strom bezahlt. Wir nahmen einen Platz inklusive Strom, denn damit konnten wir unseren Mietwagen* laden. Das dauerte wegen der geringen Leistung eine gefühlte Ewigkeit, war aber deutlich günstiger als eine klassische Ladestation.

Auch sonst war der Campingplatz ein ziemlich guter Versorgungsstopp: die Sanitäranlagen mit Toiletten und Duschen waren beheizt, geräumig und sauber, warmes Wasser war im Preis inklusive und in der Gemeinschaftsküche konnten wir bei dem Regen vernünftig kochen. Dazu gab es Waschmaschine und Trockner, Trinkwasser zum Auffüllen sowie Entsorgungsmöglichkeiten für Abwasser und Campingtoilette. Gerade wenn du länger entlang der Helgelandküste unterwegs bist, kannst du hier einmal alles erledigen. Direkt am Gelände liegt außerdem ein natürlicher Badepool mit kleinem Strand und Steg. Bei unserem Wetter war uns eher nach warmer Dusche als nach Schwimmen, auch wenn das Wasser ziemlich einladend aussah.

 Good to know: Auf vielen Campingplätzen in Norwegen kosten die Duschen extra. Meist keine Unsummen, trotzdem fanden wir es ziemlich angenehm, dass beim Torghatten Camping alles im Preis inklusive war.

Wenn du nicht auf dem Campingplatz übernachten möchtest oder dir die Hütten dort nicht zusagen, gibt es rund um Torghatten noch ein paar Alternativen. Direkt nebenan liegt die Torghatten Lodge*, etwas moderner und schicker, aber weiterhin direkt am Wanderweg. Ziemlich süß fanden wir auch die Cottages des Toft bryggehotell* direkt am Wasser und neben dem SMAK Restaurant, in dem wir essen waren. Wenn du mehr Platz oder generell etwas mehr Auswahl möchtest, schau am besten in Brønnøysund. Dort findest du neben Apartments* auch weitere Hotels und Übernachtungsmöglichkeiten.

Steg auf dem Wasser auf dem Campingplatz Torghatten Camping & Beach Restaurant

Essen und Hofläden rund um Torghatten

Für die Verpflegung hatten wir uns rund um Torghatten ein bisschen mehr Hofladen-Romantik vorgestellt. Der Torgar gård og gårdsutsalg stand auf unserer Liste, war bei unserem Besuch im August allerdings geschlossen. Also wurde daraus nichts. Ein kleines Norwegen-Klischee haben wir dann aber doch noch bekommen: Bei LYKKE Gård & Røykeri standen frische Eier in einem Selbstbedienungsschrank am Straßenrand. Geld da lassen, Eier einpacken, fertig. Solche kleinen Stände begegnen dir in Norwegen immer wieder und gerade in dieser ruhigen Ecke passen sie irgendwie ziemlich gut ins Bild.

Wenn du richtig essen gehen möchtest, ist die Auswahl rund um Torghatten überschaubar. Auf unserem Campingplatz gab es ein kleines Menü und Pizza, für etwas anderes musst du 15 Minuten nach Toft oder 20 Minuten zurück nach Brønnøysund fahren. Wir haben uns für das SMAK in Toft entschieden. Dort saßen wir direkt am Wasser, die Portionen waren ausreichend und das Essen solide. Extra hinfahren würden wir dafür nicht, aber wenn du sowieso in der Gegend bist und nach ein paar Tagen Campingküche einfach mal wieder am gedeckten Tisch sitzen möchtest, passt es gut.

Blick auf die Sherpatreppen am Torghatten und den dahinterliegenden Fjord

Good to know für Torghatten

Zieh feste Schuhe an, vor allem bei Nässe: Der Weg ist zwar einfach bis moderat, bei uns waren die Steine durch den Regen aber ordentlich feucht und der Boden matschig. Zusammen mit dem Wind waren wir ziemlich froh über Schuhe mit vernünftigem Profil. Bei trockenem Wetter reichen auch normale Sportschuhe.
Besorg dir Proviant vorher: Rund um Torghatten ist die Auswahl überschaubar und auf gut gefüllte Hofläden kannst du dich nicht verlassen. Der nächste Supermarkt befindet sich im rund 20 Minuten entfernten Brønnøysund.
An der schmalen Straße entlanglaufen ist semi-gut: Es gibt keine Bürgersteige und zwei Autos passen stellenweise gerade so aneinander vorbei. Bleib deshalb lieber auf den ausgewiesenen Wanderwegen.

Fazit zum Torghatten: kurzer Hike, Wow-Ausblick auf die Küste

Die Wanderung ist kurz genug für eine entspannte Etappe und bleibt trotzdem zwischen all den Bergen, Wasserfällen und Fjorden hängen. Der berühmte Torbogen war dabei gar nicht unser größter Wow-Moment. Der kam erst auf der anderen Seite. So hatten wir Norwegen bis dahin noch nicht gesehen. Dieses leuchtend blaue Wasser und die kleinen grünen Inseln kannten wir zwar aus unserer Recherche und aus Videos, aber die Farben dann live zu sehen, war noch einmal etwas ganz anderes. Torghatten war für uns der erste Stopp auf unserer Reise Richtung Nordkap, an dem Norwegen dieses Paradies ausgepackt hat.

Und genau dieser erste Blick auf die Helgelandküste hat direkt Lust auf mehr gemacht. Torghatten ist ein richtig guter Einstieg in einer Ecke Norwegens, die sich noch ziemlich underrated angefühlt hat. Wir waren überrascht, wie wenig los war, denn vorher hatten wir von vollen Campingplätzen und gut besuchten Wanderwegen während der Sommermonate gelesen.

Der Umweg zum Torghatten hat sich für uns absolut gelohnt.

FAQ: Häufige Fragen zu Torghatten

Wo liegt Torghatten in Norwegen?

Torghatten liegt an der Helgelandküste bei Brønnøysund auf der Insel Torget. Von der E6 musst du dafür bewusst Richtung Küste abbiegen, weshalb sich der Berg vor allem als eigene Etappe auf einem Roadtrip durch Norwegen anbietet.

Kann man durch das Loch im Torghatten laufen?

Ja, der Wanderweg führt tatsächlich einmal komplett durch das riesige Loch im Torghatten. Du steigst vom Parkplatz über die Steinstufen zum Eingang auf, läufst durch den rund 160 Meter langen Felsdurchgang und kannst anschließend auf der anderen Seite weiter dem Rundweg folgen.

Was ist das Besondere am Torghatten?

Bekannt ist Torghatten vor allem für das riesige natürliche Loch, das einmal quer durch den Berg führt. Für uns war allerdings der Blick durch den Felsen auf das blaue Meer und die kleinen Inseln der Helgelandküste mindestens genauso besonders.

Kann man auf den Gipfel des Torghatten wandern?

Ja, zusätzlich zur Wanderung durch das Loch kannst du auch zum Gipfel des Torghatten aufsteigen. Wir haben den Abstecher wegen Wind, Regen und nassem Untergrund ausgelassen und sind stattdessen auf dem Rundweg geblieben.

Was bedeutet der Name Torghatten?

„Torghatten“ bedeutet sinngemäß „der Hut von Torg“. Dazu passt die norwegische Sage, nach der ein Troll seinen Hut in die Flugbahn eines Pfeils warf. Der Pfeil hinterließ das Loch und beim Sonnenaufgang erstarrte der durchlöcherte Hut schließlich zu Stein.

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