Das Nordkap war das nördlichste Ziel unseres Roadtrips durch Norwegen. Von Oslo aus führte unsere Route immer weiter Richtung Norden, bis sich die Straße schließlich über die karge Insel Magerøya zum berühmten Globus am Rand Europas schlängelte. Irgendwann tatsächlich davorzustehen, hatte deshalb schon etwas von “Okay, wir haben es wirklich bis hier hoch geschafft.”
Natürlich wussten wir, dass uns dort eine der bekanntesten Touristenattraktionen Norwegens erwartete – inklusive des Fotos, das hier jeder machen möchte. Wir natürlich auch. Und danach? Nach Wochen auf der Straße sollte sich nun zeigen, ob dieser berühmte Ort worth the hype war.

- Das Nordkap ist gar nicht der nördlichste Punkt Europas
- Nordkapphallen: Lohnt sich der Eintritt?
- Die E69 zum Nordkap: Fjord, Rentiere und der Nordkaptunnel
- Übernachten am Nordkap: Camping zwischen Wind und Rentieren
- Beste Reisezeit für das Nordkap
- Praktische Tipps für deine Nordkap Reise
- Unser Fazit zum Nordkap: Der Weg ist das Ziel
- FAQ: Häufige Fragen zum Nordkap
Das Nordkap ist gar nicht der nördlichste Punkt Europas
Wenn man es genau nimmt, gehört der Titel des nördlichsten Punktes Europas anderen Orten. Auch als nördlichster Punkt des europäischen Festlands scheidet das Nordkapp eigentlich aus. Seinen Ruhm verdankt es vor allem der spektakulären Lage auf Magerøya und der Tatsache, dass du bis an die 307 Meter hohe Klippe fahren kannst. Dort wartet alles, was das Touristenherz höherschlagen lässt: Reisebusse, Souvenirshops und ein großes Besucherzentrum.


Auf Magerøya selbst geht es noch ein Stück weiter nach Norden: Knivskjelodden erreichst du allerdings nur zu Fuß. Die rund 17 Kilometer lange Wanderung wird mit etwa sechs Stunden und 370 Höhenmetern angegeben. Technisch gilt sie als wenig anspruchsvoll, doch das häufig nasse Gelände und das wechselhafte Wetter können den vermeintlich einfachen Hike schnell in eine Rutschpartie verwandeln.
Wir trafen eine erfahrene Wanderin, die bereits 340 Kilometer bis zum Nordkap zurückgelegt hatte und anschließend auch nach Knivskjelodden gelaufen war. Technisch bereitete ihr die Strecke keine Probleme, auf den nassen Steinen kam allerdings selbst sie mehrfach ins Rutschen. Wenn selbst so ein Profi ins Straucheln gerät, solltest du die Tour lieber nicht als längeren Spaziergang verbuchen. Selbst sind wir die Strecke nicht gelaufen. An unserem Tag war es usselig, windig und kurz darauf auch noch nass. Damit hatten sich unsere Wanderambitionen ziemlich schnell erledigt. We know, offenbar sind wir doch keine richtigen Wandermäuse.

Für uns machte dieser kleine geografische Schwindel keinen großen Unterschied. Wenn du wochenlang durch Norwegen gefahren bist und irgendwann vor dem Globus stehst, reichen das Ankommen und der Gedanke “Wir sind ganz im Norden” vollkommen aus.
Eine ganz andere Bedeutung hat das Nordkap natürlich für alle, die es aus eigener Kraft erreichen. Wir sahen so viele Radfahrer und Wanderer, die nach einer immensen Strecke völlig erschöpft ankamen und ihren Erfolg am Globus feierten. Dagegen wirkte unsere Ankunft im Mietwagen* ein bisschen lame. Aber hey, jeder kommt auf seine Weise hier hoch.
Nordapp oder Knivskjelodden? Für ein leicht erreichbares Erinnerungsfoto und das Gefühl, ein berühmtes Roadtrip-Ziel geschafft zu haben, ist das Nordkap genau richtig. Suchst du das wirkliche Ende, ist Knivskjelodden die spannendere Wahl.
Nordkapphallen: Lohnt sich der Eintritt?
Wenn du mehr über die Geschichte des Nordkaps erfahren, die Ausstellungen besuchen, im Café etwas essen oder Souvenirs shoppen möchtest: ja. Erwartest du allerdings ein umfangreiches Museum, durch das du stundenlang schlendern kannst, müssen wir dich enttäuschen.

Die Wanderin, die die Nordkapphallen von innen gesehen hatte, fand, dass es dort nicht besonders viel zu entdecken gab. Die 36 € Eintritt wären ihr das Angebot nicht wert gewesen. Bezahlen musste sie allerdings nichts: Weil sie die gesamte Strecke zum Nordkap gewandert war, durfte sie kostenlos hinein. Eine ziemlich coole Aktion, wie wir finden. Auch der Parkwärter gab uns bereits einen kleinen Hinweis darauf, wie viel Zeit wir einplanen sollten. Auf unsere Frage “Gibt es hier oben irgendetwas Besonderes, womit wir sechs Stunden verbringen können?” musste er lachen und verneinte. Warum sechs Stunden? So lange darf man hier parken.
Was wir schade fanden: Das Café und der Souvenirshop waren an den Eintritt gebunden – für eine kurze Aufwärmpause konnten wir nicht einfach spontan reinspazieren.
Wenn du dich für die Ausstellung interessierst, bei miesem Wetter länger drinnen bleiben möchtest oder der Besuch für dich ein einmaliges Bucket-List-Ding ist, dann hol dir das Ticket für die Nordkapphallen. Für den Globus, einen Spaziergang über das Plateau und den Blick von der Klippe brauchst du das Ticket aber nicht.
Die E69 zum Nordkap: Fjord, Rentiere und der Nordkaptunnel
Wenn uns auf dem Weg zum Nordkapp etwas so richtig im Gedächtnis geblieben ist, dann war es die E69 ab Olderfjord. Mit jedem Kilometer verändert sich die Landschaft: Karge Berge, Wasserfälle, Seen und kleine Fischerhütten wechseln sich mit dem weiten Blick über den Porsangerfjord ab.
Dazwischen tauchten immer wieder Rentiere auf, die wir in der offenen Landschaft schon von Weitem erkennen konnten. Natürlich hielten wir für Fotos an, allerdings nur auf ausgewiesenen Plätzen und ohne spontan den Straßenrand zu blockieren. Die Strecke ist ohnehin viel zu schön, um sie einfach durchzuballern – das Tempolimit erledigt den Rest.
Plane unbedingt einen Zeitpuffer ein. Du wirst auf der E69 öfter anhalten, als du dir vorher vornimmst.

Der Nordkaptunnel: sieben Kilometer unter dem Meer
Kurz vor Magerøya führt die E69 in den fast sieben Kilometer langen Nordkaptunnel. An seinem tiefsten Punkt verläuft er mehr als 200 Meter unter dem Meer, dazu kommen Steigungen von bis zu neun Prozent. Wie krass ist das bitte?! Mit unserem Mietwagen* waren die lange Abfahrt und der anschließende Anstieg kein Problem. Bei den Radfahrenden, die uns unterwegs begegneten, hatten wir allerdings richtig Mitleid. Zur Steigung kommen Autos und Lkw, mit denen sie sich den Tunnel teilen müssen. Ganz sicher kein Abschnitt der Reise, auf den sie sich besonders freuen.
Auch die Wanderin, hatte darauf verzichtet, die komplette Strecke zu Fuß durch den Tunnel zu laufen. Zwar gibt es am Rand eine Art schmalen Seitenweg, besonders verlockend fand sie die kilometerlange Passage trotzdem nicht.

Übernachten am Nordkap: Camping zwischen Wind und Rentieren
Auf Magerøya findest du einfache Campingplätze, Hütten und Hotels, wobei die größte Auswahl rund um Honningsvåg liegt. Direkt am Plateau gibt es keinen Campingplatz. In der umliegenden Landschaft ist Wildcampen grundsätzlich möglich, sofern du die geltenden Regeln beachtest. Allerdings ist es hier so karg, dass du kaum Schutz vor dem Wind findest.
Hytte Camp Nordkapp: basic, kalt, aber perfekt für eine Nacht
Wir entschieden uns für das Hytte Camp Nordkapp – Blue Camp*, den nächstgelegenen Campingplatz zum Nordkapp. Luxus solltest du dort nicht erwarten. Dafür bekommst du Natur pur an einem kleinen See und mit etwas Glück Rentiere, die direkt an deinem Zelt vorbeilaufen. Bei uns waren sie jedenfalls regelmäßig zu Besuch. Camping at its best eben.

Die Gemeinschaftsküche war klein und bot Platz für etwa zwei bis vier Personen, hatte aber alles Wichtige: Herd, Wasserkocher, Spüle sowie etwas Geschirr und Besteck. Ein gemütlicher Kochabend mit einer größeren Gruppe wäre dort allerdings sportlich geworden. Auch die sanitären Anlagen waren ziemlich basic. Pro Geschlecht gab es eine Toilette und eine Dusche.
Für eine Nacht reichte uns das vollkommen, bei einem gut belegten Platz könnte es allerdings schnell eng werden. Mit 35 € für zwei Personen und ein Zelt war die Übernachtung außerdem kein Schnäppchen. Während unseres Roadtrips standen wir für diesen Preis bereits auf deutlich schöneren Campingplätzen.
Am Nordkap wird es deutlich kälter als an vielen anderen Orten, an denen wir in Norwegen übernachtet haben. Ich schlief komplett angezogen im Schlafsack und kam damit gut durch die Nacht. Layering ist hier das A und O.
Eine weitere Alternative ist das Nordkapp Camping* direkt an der Hauptstraße. Bei unserem Besuch stand die Zeltwiese allerdings teilweise unter Wasser, weshalb wir weitergefahren sind.
Übernachten in Honningsvåg: mehr Komfort und Infrastruktur
Honningsvåg* ist die praktischere Basis, wenn du Restaurants, Supermärkte und klassische Hotels wie das Scandic Bryggen* bevorzugst. Wir sind zum Einkaufen und zum Laden unseres Mietwagens* in den Ort gefahren, blieben aber nicht lange genug, um ihn umfassend zu erkunden. Beim Vorbeifahren wirkte Honningsvåg auf uns weniger idyllisch als die offene Landschaft Magerøyas. Bei schlechtem Wetter oder einem längeren Aufenthalt kann die bessere Infrastruktur trotzdem wichtiger sein als das Tundra-Feeling vor dem Zelt.
Beste Reisezeit für das Nordkap
Für einen klassischen Roadtrip ist der Sommer die beste Reisezeit am Nordkap. Lange, helle Tage geben dir viel Spielraum für die Fahrt, Fotostopps und Wanderungen. Wirklich sommerlich fühlt es sich auf Magerøya allerdings nicht immer an. Bäume und natürliche Windbarrieren fehlen fast vollständig, sodass der Wind selbst moderate Temperaturen schnell unangenehm macht.


Wie schnell das Wetter umschlagen kann, haben wir bei unserer geplanten Wanderung nach Knivskjelodden gemerkt. Wind und einsetzender Regen reichten uns, um sie zu skippen – sechs Stunden über nasse Steine klangen an diesem Tag einfach wenig verlockend.
Im Winter erwartet dich rund um das Nordkapp eine komplett andere Reise. Polarnacht, Schnee und mit etwas Glück Nordlichter klingen spektakulär, machen die Anreise allerdings deutlich anspruchsvoller. Je nach Wetter kann die Zufahrt zum Plateau eingeschränkt sein.
Wie viel Zeit für das Nordkap einplanen?
Aus unserer Sicht reichen ein bis zwei Nächte auf Magerøya. Damit kannst du die Fahrt entspannt angehen, das Nordkap besuchen und je nach Wetter eine Wanderung oder weitere Stopps einplanen.
Praktische Tipps für deine Nordkap Reise
🅿️ Sechs Stunden kostenlos parken: Du kriegst zwar ein Ticket, musst aber nichts bezahlen. Die Zeit reicht locker für den Globus, einen Spaziergang über das Plateau und ausgiebige Fotostopps. Für die Nordkapphallen benötigst du zusätzlich ein Ticket.
🧥 Layering ist das A und O: Selbst im Sommer gehören mehrere Kleidungsschichten, eine winddichte Jacke und eine Mütze ins Gepäck. Auf dem Plateau und den Campingplätzen pfeift der Wind nur so durch.
🌦️Wetter mehrfach prüfen: Kontrolliere die Bedingungen am Morgen und kurz vor einer längeren Wanderung erneut. Eine Vorhersage für Honningsvåg muss nicht exakt zum offenen Plateau oder zu Knivskjelodden passen.
🥐 Verpflegung mitnehmen: Auf Magerøya ist die Auswahl außerhalb von Honningsvåg überschaubar. Für Wanderungen und einen Abend auf einem simplen Campingplatz solltest du vorher einkaufen. Unsere Empfehlung: Das Restaurant Daniels Hus – lokales leckeres Essen im hyggeligen Ambiente, tolle Besitzer.
🚧 Straßenstatus checken: Informiere dich vor der Fahrt über mögliche Einschränkungen auf der E69. Gerade bei wechselhaftem Wetter solltest du nicht davon ausgehen, dass deine geplante Route automatisch problemlos bleibt.



Unser Fazit zum Nordkap: Der Weg ist das Ziel
Wir sind froh, am Nordkap gewesen zu sein. Noch einmal müssten wir allerdings nicht hin. Das beschreibt unser Gefühl eigentlich ganz gut: Statt eines großen Gänsehautmoments gab es bei uns eher ein zufriedenes “Okay, wir haben es wirklich bis hierher geschafft”. Manchmal reicht es eben auch, einfach dort gewesen zu sein. Und bei diesem Roadtrip war der Weg für uns das größere Highlight als das Ziel selbst.
FAQ: Häufige Fragen zum Nordkap
Heißt es Nordkap oder Nordkapp?
Beide Schreibweisen sind korrekt. Nordkap ist die deutsche Bezeichnung, während der Ort auf Norwegisch Nordkapp heißt.
Wie warm wird es im Sommer am Nordkap?
Selbst im Sommer bleiben die Temperaturen am Nordkap meist im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich. Durch den häufig starken Wind fühlt es sich oft deutlich kälter an. Warme Kleidung und eine winddichte Jacke gehören deshalb auch im Juli und August ins Gepäck.
Wann scheint am Nordkap die Mitternachtssonne?
Rund um das Nordkap geht die Sonne ungefähr von Mitte Mai bis Ende Juli nicht unter. Auch davor und danach bleiben die Nächte sehr hell. Freie Sicht auf die Mitternachtssonne ist trotzdem Glückssache, da Wolken und Nebel am Kap keine Seltenheit sind.
Wie lange dauert die Fahrt zum Nordkapp?
Das hängt stark von deinem Ausgangspunkt ab. Von Alta solltest du ungefähr vier Stunden einplanen, von Tromsø mindestens acht bis neun Stunden. Fotostopps, Pausen und Rentiere auf der Fahrbahn können die Fahrt zusätzlich verlängern.
Wie weit liegt das Nordkap vom Nordpol entfernt?
Zwischen dem Nordkapp und dem geografischen Nordpol liegen noch rund 2.100 Kilometer. Trotz seiner Lage weit oberhalb des Polarkreises ist das Nordkapp dem Nordpol damit längst nicht so nah, wie es sich beim Blick auf die Karte manchmal anfühlt.

