Nusfjord sieht mit seinen roten Fischerhütten, Holzstegen und der Bergkulisse genauso aus, wie Social Media sich norwegische Idylle auf den Lofoten vorstellt. Kaum ein Bild, auf dem der kleine Hafen nicht perfekt aussieht. Dazu kommen Videos von Zimtschnecken und einem Fischerdorf, das wie aus einer anderen Zeit wirkt.
Die Meinungen über Nusfjord gehen allerdings ziemlich weit auseinander. Die einen halten den Ort für overhyped und viel zu touristisch, die anderen zählen ihn zu den schönsten Stopps auf den Lofoten. Deshalb wollten wir uns selbst ein Bild machen. Schließlich fliegt ein Ort für uns nicht automatisch aus unserer Reise, nur weil er überlaufen ist und überall als Must-see gehandelt wird. Also fuhren wir hin, parkten, zahlten den Eintritt und ließen Nusfjord auf uns wirken. Ob sich der Besuch gelohnt hat?

Nusfjord zwischen Fischerdorf und Freilichtmuseum
Schon kurz nach der Abzweigung von der E10 nach Nusfjord war klar, dass wir richtig waren. Ein riesiges Plakat am Straßenrand lässt sich wirklich nur schwer übersehen. Wenig später fuhren wir direkt auf eine markante Felswand zu. Und uff, das Motiv war stark: Der Nebel zog gerade über die Gipfelkante und genau solche Szenen lieben wir.
Natürlich hielten wir kurz an, um ein Foto zu machen. Wie es an bekannten Orten eben so ist, stoppte direkt hinter uns auch eine Touristengruppe. Kann man ihnen kaum verübeln, sah schon ziemlich nice aus. Aber mussten sie sich dafür wirklich so dicht um unser Auto verteilen, dass wir weder einsteigen noch wegfahren konnten?

Danach ging es auf der Stichstraße weiter Richtung Dorf. Auf den letzten Metern bekam die norwegische Idylle allerdings erst einmal einen kleinen Dämpfer. Zwischen einer Baustelle und einer Fischaufzuchtanlage sah es alles andere als nach dem Fischerdorf aus, das wir von Social Media kannten. Ein paar Meter weiter tauchten dann die ersten roten Rorbuer direkt am Wasser auf. Da war es wieder: dieses perfekte Nusfjord-Bild.
Good to know: Rorbu ist die norwegische Bezeichnung für eine traditionelle Fischerhütte, die ursprünglich als saisonale Unterkunft für Fischer diente. Heute werden viele Rorbuer auf den Lofoten als Ferienunterkünfte* vermietet.
Wir kamen gegen 15 Uhr an, zahlten den Eintritt und steuerten als Erstes die Läden an. Wenn wir eines auf unserem Norwegen Roadtrip gelernt hatten, dann, dass am Nachmittag gerne mal früher Schluss ist als erwartet. Wir wollten auf keinen Fall später vor verschlossenen Türen stehen und uns ärgern, irgendetwas verpasst zu haben.

Anschließend schlenderten wir durch den Dorfkern und sahen uns die kleinen Ausstellungen an. Die Türen der historischen Gebäude standen offen, also liefen wir beim Rundgang einfach hinein. Drinnen vermittelten alte Gegenstände und nachgestellte Szenen ein Gefühl dafür, wie das Leben im Fischerdorf früher ausgesehen haben muss. Super viel gibt es aus unserer Sicht allerdings nicht zu sehen. Für einen groben Eindruck reicht es. Eine ausführliche Geschichtsstunde solltest du hier eher nicht erwarten.
Vom früheren Fischerdorf-Alltag ist heute ohnehin nur noch wenig zu erkennen. Es dreht sich alles um Restaurants, Läden, Unterkünfte* und Touren*. Nur noch wenige Menschen wohnen dauerhaft hier, während Tages- und Hotelgäste das Bild bestimmen. Damit fühlte sich Nusfjord für uns tatsächlich wie eine Mischung aus Fischerdorf, Resort und Freilichtmuseum an.

Fotogen ist diese Mischung ohne Frage. Rote und gelbe Holzhäuser stehen dicht am Wasser, Berge rahmen den kleinen Hafen ein und von den Stegen eröffnen sich ständig neue Perspektiven auf die Rorbuer. Obwohl das Dorf gut besucht war, mussten wir uns auf den Holzstegen durch keine Menschenmassen schieben. Für Fotos ohne andere Besucher im Bild warteten wir an manchen Stellen einfach ein paar Minuten.
Wie viel Zeit brauchst du für Nusfjord?
Für einen normalen Rundgang durch Nusfjord reicht ungefähr eine Stunde – so lange haben auch wir gebraucht. In dieser Zeit konnten wir entspannt durch den Dorfkern laufen, die offenen Bootshäuser ansehen und mehrere Fotostopps einlegen. Für einen ganzen Tag reicht es nicht, dafür gibt es dann doch nicht allzu viel zu sehen. Mit einer gebuchten Tour sieht es natürlich anders aus: Angeltour, RIB-Fahrt oder Kajaktour, you choose.
Wenn du Nusfjord als kurzen Abstecher auf einem Lofoten-Roadtrip einplanst, verbinde den Stopp am besten mit Hamnøy, Reine und Å. Die Fischerdörfer lassen sich auf derselben Etappe gut miteinander kombinieren und machen aus dem kurzen Besuch einen vollen Roadtrip-Tag.

Unsere Food-Highlights: Bäckerei und Café
Beim Essen in Nusfjord hatten wir vor allem ein Ziel: die Kanelsnurr aus Hansines Bakeri, die uns vorher schon ständig auf Social Media begegnet war. Daran kamen wir natürlich nicht vorbei, denn wenn wir schon Eintritt für ein Fischerdorf zahlen, darf wenigstens eine sehr gute Zimtschnecke nicht fehlen.
Die Bäckerei ist klein und innen urig eingerichtet. Vor uns stand eine kurze Schlange, wirklich voll war es trotzdem nicht und die Auslage war noch gut gefüllt. Die Kanelsnurr hat den Hype aus unserer Sicht verdient. Sie war richtig gut und am Ende das kulinarische Highlight unseres Besuchs. Den Eintritt allein rechtfertigt sie natürlich kaum, zumal das Gebäck zusätzlich bezahlt werden muss.


Good to know: Komm nicht zu spät am Nachmittag. Bei unserem Besuch im August 2026 schloss die kleine Bäckerei bereits um 16 Uhr. Wir kamen gegen 15 Uhr an und hatten damit Glück, bei größerem Andrang kann es kurz vor Schluss aber anders aussehen.
Direkt am Hafen liegt außerdem das Landhandleriet Café, ein alter Handelswarenladen mit Cafébetrieb. Mit seiner Vintage-Einrichtung war der Laden eine nette Abwechslung zu den klassischen Souvenirshops. Verkauft werden unter anderem handgemachte Seifen, Wollkleidung und Stockfisch. Gerade die Wollteile lagen preislich weit außerhalb unseres Budgets, auch wenn der Pullover für 800 € wunderschön aussah. Dafür wirkten sie weniger austauschbar als die üblichen Magnete und Schlüsselanhänger. Wenn du sowieso durch das Dorf läufst, schau kurz rein.
Zudem war der Kaffee erstaunlich gut, womit wir an einem so touristisch geprägten Ort nicht unbedingt gerechnet hatten.


Nusfjord besuchen: Eintritt, Parken und Drohnenverbot
Falls es bisher noch nicht deutlich genug geworden ist: Ja, für Nusfjord musst du Eintritt zahlen. Bei unserem Besuch waren es 150 NOK, umgerechnet rund 14 € pro Person. Für einen kurzen Rundgang ist das gar nicht mal so wenig. Bezahlt wird am Kassenhäuschen vor dem historischen Dorfkern. Im Ticket enthalten waren der Zugang zum Dorf, die geöffneten kleinen Ausstellungen und Parken.
Im Dorf gibt es zwei Parkplätze, die allerdings beide nicht riesig sind. Der untere war bei unserem Besuch bereits voll, weshalb wir unser Auto auf dem oberen abgestellt haben und von dort hinuntergelaufen sind. Auch die wenigen Parkbuchten entlang der Zufahrt waren schon belegt. Gerade in der Hauptsaison solltest du deshalb etwas Zeit für die Parkplatzsuche einplanen.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Mehrere Schilder weisen auf ein Drohnenverbot hin. Für gute Fotos haben wir eine Drohne* allerdings auch nicht vermisst. Vom Hafen, von den Holzstegen und zwischen den Gebäuden findest du genügend Perspektiven, um die roten Hütten mit Wasser und Bergen einzufangen.



Fazit: Unpopular Opinion – wir würden Nusfjord skippen
Als wir Nusfjord verließen, war unser Urteil einstimmig: Gut, dass wir uns selbst ein Bild gemacht haben. Noch einmal würden wir allerdings nicht herkommen. Der Besuch fühlte sich weder nach verschwendetem Geld noch nach einer riesigen Enttäuschung an. Er hat bei uns einfach wenig ausgelöst. Das Fischerdorf ist schön, keine Frage, für uns allerdings fast ein bisschen zu picture-perfect.
Am meisten störte uns, für etwas Eintritt zu zahlen, das du auf den Lofoten und generell in Norwegen vielerorts kostenlos findest: kleine, hübsche Orte mit hyggeligen Holzhäusern, durch die du einfach schlendern kannst. Nusfjord ist romantischer und wirkt fast wie ein Dorf aus einem Kinderbuch, das stimmt schon. Wenn du genau diese makellose Kulisse suchst, komm her. Ansonsten kannst du den Ort aus unserer Sicht streichen, ohne anschließend FOMO zu bekommen. Beim nächsten Mal würden wir genau das tun. Ein Must-Visit ist Nusfjord für uns definitiv nicht.
FAQ: Häufige Fragen zu Nusfjord
Musst du für Nusfjord Eintritt zahlen?
Ja, bei unserem Besuch im August 2026 war der historische Dorfkern nur mit einem Ticket zugänglich. Bezahlt wurde direkt am Kassenhäuschen am regulären Zugang.
Kannst du Nusfjord ohne Eintritt besichtigen?
Nein, den Dorfkern kannst du regulär nur mit einem Ticket betreten. Das Kassenhäuschen steht direkt am Zugang.
Wie viele Einwohner hat Nusfjord?
Nusfjord hat nur sehr wenige dauerhaft dort lebende Einwohner. Der größte Teil des Dorfes wird heute touristisch genutzt.
Darfst du in Nusfjord mit einer Drohne fliegen?
Nein, Drohnen sind in Nusfjord laut der Beschilderung vor Ort verboten. Für Fotos bleiben dir die Holzstege, der Hafen und die Gassen zwischen den roten Rorbuer, die bereits viele gute Perspektiven bieten.
Kannst du in Nusfjord übernachten?
Ja, in Nusfjord kannst du in restaurierten Rorbuer übernachten. Die ehemaligen Fischerhütten werden heute als moderne Ferienunterkünfte* vermietet.