// Zuletzt aktualisiert April 1, 2026
Die Sonne verschwand langsam hinter den Gebäuden auf der anderen Seite des Sees, wir saßen mit einer Kokosnuss am Ufer auf unserer kleinen Halbinsel und dachten beide dasselbe: Genau so wollten wir Hanoi erleben. Abseits von Dauer-Hupkonzert der Altstadt und Sehenswürdigkeiten im Schnelldurchlauf, dafür ein bisschen mehr Alltag. Genau das haben wir in Tay Ho am West Lake gefunden.
Als wir damals recherchiert hatten, wo wir in Hanoi gut für länger leben konnten – als Langzeitreisende und Digital Nomads, die nicht jeden Tag nur Sightseeing machen können – tauchte das Viertel rund um den West Lake immer wieder auf. Und genau hier, direkt am See, hatten wir über einen Monat unser Zuhause auf Zeit.

- Das Lebensgefühl: Der West Lake als Expat- und Wohnviertel
- Highlights am West Lake: Sonnenuntergänge
- Für Foodies: weniger Street Food, dafür richtig gute Restaurants
- Unterkunft in Tay Ho: Worauf du achten solltest
- Praktische Tipps für den West Lake & Tay Ho
- Unser Fazit: Wiedersehen macht Freude
- FAQ: Häufige Fragen zum West Lake in Hanoi
Das Lebensgefühl: Der West Lake als Expat- und Wohnviertel
Im Gegenteil zu anderen Vierteln in Hanoi ist es in Tay Hoy am West Lake deutlich entspannter. Es ist weniger wuselig, weniger aufdringlich, weniger dieses Gefühl, dass du hier einen Sightseeing-Marathon absolvieren musst. Auf unserer kleinen Halbinsel waren außer dem Alltagsverkehr, ein paar Händlern und Locals erstaunlich wenige Touristen unterwegs. Es ist kein Viertel für den schnellen Stopover. Hier ist es viel eingespielter und fühlt sich mehr nach zu Hause an als mitten im Old Quarter zu sein.
Wenn wir länger an einem Ort sind, liegt dadrin für uns der Reiz: Ein Leben auf Reisen, dass einen Alltag haben kann. Wenn du morgens guten Kaffee trinken, tagsüber arbeiten und abends irgendwo schön essen gehen willst, dann passt das hier ziemlich gut. Aber eines darfst du nicht unterschätzen: Tay Ho ist weitläufig. Das Viertel zieht sich einmal um den See herum. Und je nachdem, wo du deine Unterkunft hast, kann dein Alltag komplett anders aussehen.

Wir haben auf einer kleinen Halbinsel Yen Phu gewohnt, in der Nähe vom Panoramic Point Lang Yen Phu. Für den Sonnenuntergang war das perfekt. Fürs alltägliche Leben eher nur so semi. Es gab zwar ein paar schöne Cafés und leckere Food-Spots in Laufnähe, aber das eigentliche Leben, zumindest das für uns spannende, spielte sich in Quang An ab. Hier hast du einfach mehr Auswahl an Restaurants, Cafés, Wellness und gescheiten Supermärkten.
Ja, wir empfehlen sehr, hier auf die Lage zu achten. Denn „irgendwas“ am West Lake zu buchen, nur um am See zu wohnen, kann auf Dauer im Alltag ernüchternd werden. Denn aus „Ich-hol-mir-mal-schnell-Kaffee-vor-dem-nächsten-Call“ wird dann eher „Wie-lange-braucht-Grab-zum-Liefern“. Die idyllische, film-reife Mittagspause kannst du dann knicken.

Highlights am West Lake: Sonnenuntergänge
Not gonna lie, in Tay Ho gibt es keine Sehenswürdigkeit, die du unbedingt gesehen haben musst. Das meiste, was klassische Hanoi-Highlights angeht, spielt sich eher Richtung Altstadt ab. Am West Lake selbst ist die Tran Quoc Pagode der bekannteste Spot. Kannst du machen, ist für uns aber kein Must-See. Es ist schön, aber auch super touristisch mit Straßenhändlern, Ramsch-Souvenirs und vielen Touristen.
Unsere Lieblingsmomente waren immer dieselben: der Sonnenuntergang. Gegen Abend runter ans Wasser, einen guten Spot suchen, stehen bleiben und schauen, wie die Sonne hinter den Gebäuden auf der anderen Seeseite verschwindet. Nicht mehr, nicht weniger. Aber, weil wir es so einfach in unsere Tagesroutine integrieren konnten, war es etwas Besonderes. Wir wollten schon immer sagen, dass wir am See wohnen und dort die schönsten Sonnenstrahlen ergattern können. Dort, wo wir zwischen Locals direkt am Ufer standen und den Tag haben ausklingen lassen, war die Welt in Ordnung. Keine Reizüberflutung, keiner der uns „dringend“ bei der Arbeit brauchte, keine Schnelllebigkeit – nur ein Ort zum Runterkommen (in dieser doch sehr hektischen, vietnamesischen Stadt).



Tagsüber kannst du rund um den See natürlich auch spazieren gehen. In den kleineren Gassen klappt das ganz gut. Wirklich idyllisch ist aber nicht jeder Abschnitt. Der Weg Richtung Quang An zieht sich und obwohl es teilweise am Wasser entlang geht, ist das nicht automatisch ein traumhafter See-Spaziergang. Teilweise fehlen Gehwege, stellenweise ist es dreckig und abends ist die Beleuchtung eher sporadisch.
Für Foodies: weniger Street Food, dafür richtig gute Restaurants
Wenn du in Hanoi vor allem auf ultra-lokales Street Food hoffst, dann wird sich Tay Ho anders anfühlen als die Altstadt. Es gibt hier weniger klassisches Street Food und dafür mehr Restaurants, mehr internationale Küche und insgesamt ein etwas gehobeneres Niveau. Genau dieses Mix finden wir für längere Aufenthalte ziemlich angenehm. Ja, klar – jeder möchte immer nur authentisch und 100% local unterwegs sein. Aber mal, ehrlich – zu Hause sind es doch auch nicht 7 Tage Pasta, oder?!
Deswegen waren in Tay Ho deutlich öfter in Restaurants als an Street-Food-Ständen. Wir haben dort richtig gut und auch sehr hochwertig gegessen. Für Hanoi zwar etwas teurer, aus unserer Sicht aber immer noch günstig. Für ein gutes Abendessen mit Getränken für zwei Personen lagen wir oft nur bei ca. 30 €.




Ein paar Spots sind uns besonders im Kopf geblieben.
Bei der Anzahl der Lokale konnten wir natürlich nicht alles testen. Lauf einfach mal durch die Gassen und entdecke deine eigenen Hidden Gems.

Ausgehen in Tay Ho
Was das Nachtleben am West Lake angeht, können wir nicht beurteilen, denn wir sind abends eher die Gemülichen. Aber als wir beim Abendessen unterwegs waren, haben wir genug Optionen gesehen. Von Rooftops über Speakeasy-Vibe oder Cafés, die abends einfach in Bier-Spots übergehen – davon gibt es einiges. Es gibt teure Orte, wie Wine Bars oder auch einfache Stände, an denen Locals einfach zusammensitzen, Bier trinken und den Abend entspannt ausklingen lassen. Teilweise kostet ein Bier nur 10.000 VND (ca. 0,50 €). Das ist dann wieder dieses Hanoi-Gefühl, nur ohne kompletten Massentourismus.
Unterkunft in Tay Ho: Worauf du achten solltest
Wir haben uns für ein Airbnb beziehungsweise ein ganzes Apartment in Yen Phu entschieden, weil das für einen längeren Aufenthalt einfach deutlich praktischer war. Eigene Küche, ordentliches Bad, Waschmaschine – gerade Letzteres ist für uns bei längeren Aufenthalten Pflicht. Dazu kam ein wöchentlicher Reinigungsservice, was unseren Alltag erleichtert hat. Die Wohnung selbst war modern, groß genug für zwei Personen und angenehm ruhig gelegen.
Gerne würden wir sie empfehlen, aber es gibt einen Nachteil, den wir für Langzeit nicht schönreden wollen: Sie war relativ dunkel. Weil die Häuser so eng aneinander gebaut sind, haben wir beim Nachbarn ins Wohnzimmer geschaut. Für ein paar Tage wäre uns das egal gewesen, für mehrere Wochen haben wir aber schon gemerkt, dass das für uns zukünftig ein No-Go ist.



Rückblickend würden wir beim nächsten Mal eine hellere Wohnung buchen und direkt in Quang An wohnen. Dann hätten wir es für den perfekten Sonnenuntergang etwas weiter, aber wir sind ehrlich: Cafés, Restaurants & Crossfit-Box > Sonnenuntergang.
Für wen ist Tay Ho als Wohnviertel ideal? Aus unserer Sicht vor allem für Langzeitreisende, Digital Nomads und alle, die in Hanoi nicht nur "durchreisen“, sondern auch ein bisschen leben wollen. Du bekommst Apartments (inkl. Küche und teilweise mit Waschmaschine) unter 50 € (z.B. Hanoi Home 3*), Mid-Budget (z.B. Mia Apartments by XÔI Residences*) oder luxuriösere Condos mit Pool ab 100 €+ (z.B. Fraser Suites Hanoi*)
Praktische Tipps für den West Lake & Tay Ho
Fortbewegung in Tay Ho: zu Fuß okay, aber nicht überall schön
Innerhalb von Tay Ho sind wir viel zu Fuß unterwegs gewesen und das ging in den kleineren Gassen auch gut. Gerade dort war der Verkehr okay und deutlich angenehmer als auf den größeren Hauptachsen. Die Hauptstraße selbst fanden wir dagegen eher anstrengend. Laut, unentspannt und nicht gerade ein Ort, an dem man freiwillig länger laufen möchte. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt: West Lake heißt nicht automatisch Promenaden-Feeling. Manche Wege am See sind nett, andere eher nicht. Wenn du dir romantische, durchgehend ausgebaute Spazierwege vorstellst, solltest du die Erwartungen ein bisschen runterdrehen.
Und sonst sind wir, wie immer in Vietnam, mit Grab herumgefahren.

Budget & Kosten: etwas teurer als der Rest von Hanoi
Du wirst merken, dass du in Tay Ho etwas gehobener lebst – das schlägt sich durchaus bei Unterkünften, Restaurants und Cafés nieder. Das heißt aber nicht, dass der West Lake plötzlich sauteuer wäre. Eher: teurer im Hanoi-Vergleich. Wenn du regelmäßig Specialty Coffee trinkst, in schöne Restaurants gehst oder dir ein komfortables Apartment gönnst, gibst du hier natürlich mehr aus als in anderen Ecken. Trotzdem bleibt das Preisniveau für viele Reisende ziemlich angenehm.
Do’s & Don’ts: was wir vorher gern gewusst hätten



Unser Fazit: Wiedersehen macht Freude
Tay Ho am West Lake ist nicht das klassische Hanoi-Highlight. Für uns war das kein Problem, sondern vielleicht genau deshalb einer der angenehmsten Orte der Stadt. Ja, es ist nicht super local oder 1000% authentisch. Man kann jetzt kritisieren: Zu viele Expats, zu viele fancy Cafés, zu viele internationale Restaurants, zu wenig klassisches Hanoi. Ein Stück weit stimmen wir da natürlich zu. Wenn dein Idealbild von Hanoi nur aus winzigen Plastikstühlen, Street Food und maximalem Chaos besteht, dann ist Tay Ho nicht die reinste Form davon.
Wir fanden es deshalb aber nicht weniger reizvoll. Eher im Gegenteil. Gerade für einen längeren Aufenthalt war diese Mischung aus national und international mit Seelage für uns optimal. Es war einfacher, ruhiger, angenehmer – alltagstauglicher. Würden wir also wiederkommen? Ja, sofort. Dann aber mit einer helleren Wohnung in Quang An für noch ein bisschen mehr Alltag. Der West Lake war für uns kein Ort des großen Wow-Moments, sondern einer dieser seltenen Orte, an denen man sich ziemlich schnell ein kleines Leben mit Routine aufbaut. Und genau das ist bei uns hängen geblieben.

FAQ: Häufige Fragen zum West Lake in Hanoi
Was ist der West Lake in Hanoi?
Der West Lake ist der größte See in Hanoi und liegt im Stadtteil Tay Ho. Rund um den See befinden sich Wohnviertel, Cafés, Restaurants und einige bekannte Orte wie die Tran Quoc Pagode.
Lohnt sich Tay Ho für Touristen?
Ja, aber vor allem dann, wenn du nicht nur klassisches Sightseeing suchst. Tay Ho lohnt sich besonders für längere Aufenthalte, ruhigeres Stadtleben, gute Restaurants und eine entspanntere Basis in Hanoi.
Ist Tay Ho ein gutes Viertel zum Wohnen in Hanoi?
Aus unserer Sicht ja, vor allem für Langzeitreisende, Expats und Digital Nomads. Wichtig ist aber, die genaue Lage im Viertel gut auszuwählen, weil Tay Ho groß ist und nicht jede Ecke gleich praktisch ist.
Wo sollte man in Tay Ho wohnen?
Wir würden beim nächsten Mal eher in Quang An wohnen, weil sich dort für uns das meiste Leben abgespielt hat. Unsere Halbinsel war toll für Sonnenuntergänge, aber im Alltag etwas unpraktischer.
Ist der West Lake in Hanoi teuer?
Im Vergleich zu anderen Teilen Hanois ist Tay Ho etwas teurer. Trotzdem fanden wir die Preise insgesamt immer noch fair. Gerade Restaurants und Apartments sind oft gehobener, aber nicht absurd teuer.
Gibt es viele Sehenswürdigkeiten am West Lake?
Nicht besonders viele. Die bekannteste ist die Tran Quoc Pagode. Wer vor allem Sehenswürdigkeiten sehen will, ist in anderen Teilen Hanois meist besser aufgehoben.
Kann man am West Lake gut spazieren gehen?
Teilweise ja. Manche Abschnitte sind angenehm, andere eher weniger. Es gibt nicht überall schöne oder gut ausgebaute Wege, deshalb sollte man keine perfekte Seepromenade erwarten.
Für wen eignet sich der West Lake besonders?
Vor allem für Ruhesuchende, Foodies, Langzeitreisende und alle, die in Hanoi einen alltagstauglicheren, entspannteren Stadtteil suchen.

